Bild von einer Kuh

Keine hochträchtigen Tiere schlachten, keine männlichen Küken töten

Immer wieder kommt es vor, dass in deutschen Schlachthöfen hochträchtige Tiere, zum Beispiel Rinder, geschlachtet werden. Dies ist aus der Sicht des Tierschutzes und ethisch nicht akzeptabel.

Ein weiteres Problem: Derzeit werden in Deutschland jährlich rund 45 Millionen männlicher Küken getötet, denn bei der Nachwuchsgewinnung für Legehennen hat die Geflügelwirtschaft keine Verwendung für die männlichen Küken. Diese Praxis will das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durch die frühzeitige Bestimmung des Geschlechts der sich im Ei entwickelnden Küken beenden.

Was ist konkret geplant?

In Deutschland soll das Schlachten hochträchtiger Tiere außer in absoluten Ausnahmefällen wie Nottötungen beendet werden.

Wie viele hochträchtige Tiere derzeit in Deutschland geschlachtet werden und warum dies genau geschieht, ist Thema des durch das BMEL geförderten Forschungsprojekts „S!GN“ (Schlachtung gravider Nutztiere). Daran beteiligt sind die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und das Institut für Lebensmittelhygiene der Universität Leipzig. Das Projekt „S!GN“ berücksichtigt alle zur Schlachtung kommenden weiblichen Nutztiere, also neben Kühen und Sauen auch kleine Wiederkäuer und Stuten. Die Forscher erarbeiten mögliche Maßnahmen zur Einschränkung des Schlachtens hochträchtiger Tiere und weitere Handlungsempfehlungen.

Bei der frühzeitigen Geschlechtsbestimmung im Ei soll ein bereits erfolgreich entwickeltes Verfahren in die breite Praxis übertragen werden. Diesen Prozess wird das BMEL aktiv begleiten. Es setzt sich für ein rasches Ende dieser Tötungspraxis ein.

Was ist bisher passiert?

Im Februar 2015 hat das Forschungsprojekt „S!GN“ mit seiner Arbeit begonnen. Parallel dazu fordert die Bundesregierung weiterhin, dass sich die Europäische Kommission dieses Problems annimmt. Die Praxis, hochträchtige Tiere zu schlachten, muss so schnell wie möglich europaweit unterbunden werden. Das BMEL hat außerdem gemeinsam mit den Niederlanden, Dänemark und Schweden veranlasst, dass sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit mit der Thematik befasst.

Ein Forschungsverbund der Universität Leipzig hat mit finanzieller Unterstützung des BMEL erfolgreich ein Projekt für eine „In Ovo-Geschlechtsbestimmung“ durchgeführt, also zur Geschlechtsbestimmung bereits im Hühnerei. Bereits nach drei Tagen entwickeln sich kleine Blutgefäße, die sich für eine Geschlechtsdiagnose nutzen lassen. Weibliche Eier werden dann weitere 18 Tage bebrütet, bis die Küken schlüpfen. Aus ihnen werden später Legehennen. Das System erkennt auch unbefruchtete oder nicht entwicklungsfähige Bruteier. Sie dienen wie die männlichen Eier als wertvoller Rohstoff für verschiedene industrielle Anwendungen.

Wie geht es weiter?

Das Forschungsprojekt „S!GN“ wird Ende Januar 2017 konkrete Ergebnisse und Handlungsempfehlungen zur Frage der Tötung hochträchtiger Tiere vorlegen. Auch auf europäischer Ebene werden die Bemühungen fortgesetzt. Das BMEL prüft unabhängig davon rechtliche Maßnahmen, damit nach Möglichkeit keine hochträchtigen Tiere am Schlachthof ankommen.

Im Juli 2015 hat der Forschungsverbund der Universität Leipzig weitere Fördergelder erhalten, um die erforschten Alternativmethoden zur Geschlechtsbestimmung in Hühnereiern möglichst rasch in die Praxis zu überführen. Bis Ende 2016 soll ein Prototyp für ein Gerät vorliegen, mit dem das Geschlecht im nur drei Tage bebrüteten Ei bestimmt wird und das die Eier automatisch entsprechend sortiert. Im nächsten Schritt sollen die Unternehmen in die serienmäßige Entwicklung der Geräte investieren und diese nach und nach einsetzen.

Quelle: Pablo Debat / Shutterstock.com