Bild von einer Kuh

Dialog von Landwirten und Verbrauchern

Zahlreiche Landwirte ärgern sich darüber, welches Bild viele Verbraucherinnen und Verbraucher von der Landwirtschaft und der Tierhaltung haben. Sie möchten gerne dazu beitragen, Vorurteile in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger auszuräumen.

Darum zeigen viele auf ihren Höfen, wie sie ihre Tiere versorgen und wie sie mit ihnen umgehen. Interessierte können auch viel über das Verhalten der Tiere lernen. Mit Einblicken in die landwirtschaftlichen Betriebe können Landwirte auch darauf aufmerksam machen, dass Milch, Butter, Fleisch, Wurst und andere Erzeugnisse nicht von alleine ins Supermarktregal gelangen. Gleichzeitig können die Besucherinnen und Besucher hautnah erleben, dass landwirtschaftliche Betriebe heute modernste High-Tech-Unternehmen sind.

Dialog und Diskussion erwünscht

Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 19. bis 28. Januar 2018 stellten sich Landwirtinnen und Landwirte den Fragen der Verbraucherinnen und Verbraucher. In Halle 23a auf der Bühne waren Dialog und Diskussion ausdrücklich erwünscht. Im Rahmen des Bühnenprogramms gaben täglich am frühen Nachmittag zwei Landwirtinnen oder Landwirte Einblicke in ihre Arbeit und sie beantworteten Fragen aus dem Publikum. Die Landwirte werden vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert und nehmen entweder an den Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz teil oder sind Demonstrationsbetriebe innerhalb des Bundesprogramms zum ökologischen Landbau (BÖLN).

An zehn Terminen fanden die Dialoge zwischen Landwirten und Verbrauchern auf der Internationalen Grünen Woche statt. Lesen Sie Fragen und Antworten zu den Themen Schweinehaltung, Antibiotika, Kükentöten, Kälberaufzucht und Putenhaltung.

Ein Einblick in die Fragen und Antworten

Welche Fragen beschäftigen die Bürgerinnen und Bürger? Während des Bühnenprogramms wurden beispielsweise folgende Themen angesprochen.

Thema Schweinehaltung

Frage: Warum werden den Schweinen die Schwänze gekürzt?

Antwort: Wenn viele Schweine auf engem Raum gehalten werden, können sie ihre normalen Verhaltensweisen nicht so ausleben. Sie geraten in Stresssituationen und fangen dann, wenn sie die anderen Tiere beschnuppern, an, die anderen in den Schwanz zu beißen. Um das zu verhindern, werden die Schwänze gekürzt.

Einem Landwirt, der seinen Schweinehaltungsbetrieb auf Biolandwirtschaft umgestellt hat, wurde die Frage gestellt, warum er von konventioneller Landwirtschaft auf Biolandwirtschaft umgestellt hat.

Antwort: Die Tiere wachsen anders auf, sie leben anders und werden anders gefüttert. Die Schweine können ihren Lebensraum selbst gestalten. Außerdem ist die Arbeitsbelastung vorher sehr hoch gewesen, von 6 bis 18 Uhr rund um die Uhr.

Frage: Können Sie als Biolandwirt aufs Schwanzkürzen verzichten, oder müssen Sie das?

Antwort: Als Biolandwirt muss ich darauf verzichten. Aber wir Biolandwirte sind auch davon überzeugt, dass wir den Schweinen die Schwänze nicht kürzen müssen.

Thema Töten der männlichen Küken

Frage: Eine Frage an Sie als Legehennenhalter, was passiert mit den männlichen Küken?

Antwort: Die männlichen Küken werden in der Brüterei vergast. Es gab eine Reihe von Initiativen wie die Bruderhahn-Initiative, Spitz und Bube und weitere, die auch die männlichen Küken aufziehen. Doch diese Tiere brauchen viel zu lang zum Wachsen und sie setzen nicht genug Fleisch an. Die Vermarktung ist schwierig, der Absatz ist zu schlecht. Aber wir setzen auf die In Ovo-Früherkennung, dann müssen die männlichen Küken nicht mehr getötet werden.

Frage: Meinen Sie damit die Geschlechtsbestimmung im Ei?

Antwort: Ja, genau. Dabei wird in den ersten Tagen das Geschlecht schon im Ei bestimmt, die männlichen Küken werden direkt aussortiert und nicht mehr weiter bebrütet.

Frage: Was passiert denn derzeit mit den getöteten Küken?

Antwort: Sie werden verfüttert, beispielsweise in Zoos.

Thema Kälberaufzucht

Frage: Sie halten Milchkühe? Wie groß ist Ihr Betrieb?

Antwort: Wir haben 50 Milchkühe, wie sind ein Biobetrieb. Wir machen auch bei den Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz mit und testen eine Besonderheit: die muttergebundene Kälberaufzucht. Wir zeigen dann anderen, wie es bei uns im Projekt funktioniert.

Frage: Was machen Sie dabei anders?

Antwort: Normalerweise werden die Kälber nach zwei Tagen von den Müttern getrennt. Bei uns dürfen die Kälber drei Monate bei der Mutter trinken. Das ist viel teurer und deswegen haben wir ein System geschaffen, das wirtschaftlich ist, indem die Bürger Patenschaften für die Kühe erwerben können.

Eine Anregung aus dem Publikum war auch, dass die kritischen Fragen auch mal an Verbraucher gestellt werden sollten, die mit ihrem Verhalten die Produktionsbedingungen vorgeben. Doch der Moderator machte deutlich, dass das Ziel dieser Veranstaltung die Fragen der Bürgerinnen und Bürger an die Landwirte sein sollte.

Ein neues Verbraucherportal zu landwirtschaftlichen Themen

Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) stellt auf der Internationalen Grünen Woche ein neues Online-Portal für Verbraucherinnen und Verbraucher vor. Es erklärt leicht verständlich und anschaulich, wie Landwirtinnen und Landwirte arbeiten und wie unsere Nahrungsmittel erzeugt werden. Es liefert neutrale Informationen zu kontrovers diskutierten Themen, erläutert Verbraucherinnen und Verbrauchern, wie sie Landwirtschaft ganz unmittelbar erfahren können und lädt zum Dialog ein.

www.landwirtschaft.de

Landwirte mit dem Moderator auf dem Podium, im Vordergrund das Publikum
Malte Wolter (links) und Christian Herb (Mitte) mit Moderator Marco Seiffert (rechts) auf dem Podium: Die Landwirte beantworten Bürgerfragen auf der Internationalen Grünen Woche. Quelle: BLE
Blick in die Sonderschauhalle von der Bühne aus
Landwirte beantworten Bürgerfragen zu verschiedenen Themen, Quelle: BLE
Ausschnitt aus der Startseite des Verbraucherportals
Das Verbraucherportal landwirtschaft.de erläutert landwirtschaftliche Themen leicht verständlich, Quelle: BLE