Ausstieg aus dem Kükentöten

Das Kükentöten soll ab Ende 2021 per Gesetz verboten werden. Bis dahin stehen markt- und serienreife Alternativen zur Verfügung.

Jedes Jahr werden allein in Deutschland etwa 45 Millionen Hühnerküken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Dabei handelt es sich um die männlichen Geschwister der Legehennen. Die für die Produktion von Eiern gezüchteten Hühnerrassen eignen sich aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und der Produktqualität weniger für die Erzeugung von Fleisch. Männliche Küken dieser Legerassen werden daher bislang in den meisten Fällen nicht aufgezogen und direkt nach dem Schlupf getötet. Die weiblichen Küken werden zu den Legehennen, die die Eier für unseren Konsum legen.

Am 9. September 2020 hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner einen Gesetzentwurf vorgestellt, der ab Ende 2021 das Kükentöten in Deutschland verbietet. Das ist bisher weltweit einzigartig, und damit wird Deutschland Vorreiter beim Ausstieg aus dem Kükentöten. Der Entwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes zielt auf ein flächendeckendes Verbot des Kükentötens in Deutschland ab Ende 2021. Das gesetzliche Verbot ist erforderlich, um das Töten der Hühnerküken einheitlich zu unterbinden und Verstöße wirksam sanktionieren zu können. Frankreich hat signalisiert, dem Beispiel Deutschlands zu folgen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat seit vielen Jahren die Forschung mit mehreren Millionen Euro gefördert, um Alternativen zum Kükentöten entwickeln zu lassen, damit die Produktion der Küken bei einem Verbot des Kükentötens nicht ins Ausland verlagert wird. Seit vielen Jahren wird daher an der Entwicklung von Verfahren geforscht, die die Geschlechtsbestimmung im Brutei möglich machen. Denn damit werden die Küken nicht ausgebrütet und anschließend getötet.

Geschlechtsbestimmung im Ei

Bis Ende 2021 stehen den Betrieben marktreife bzw. auch serienreife Alternativen zur Geschlechtsbestimmung im Brutei zur Verfügung. Das ist eine deutliche Verbesserung des Tierschutzes. Alle marktreifen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei arbeiten dabei daran, dass die Bestimmung in einem Zeitraum zwischen dem 9. und 14. Bebrütungstag erfolgt. Insgesamt wird ein Küken 21 Tage ausgebrütet. Es wird dennoch weiter geforscht, um zu einem noch früheren Zeitpunkt die Geschlechtsbestimmung im Ei vornehmen zu können.

Denn im Sinne des Tierschutzes geht der jetzt vorliegende Gesetzesentwurf noch weiter. Die bestehenden Verfahren sollen als Brückentechnologie eingesetzt und weiterentwickelt werden. In einem zweiten Schritt sieht das Gesetz nach dem 31. Dezember 2023 dann ein Verbot des Tötens von Hühnerembryonen im Ei bereits nach dem 6. Bruttag vor.

Weitere Alternativen: Bruderhahn und Zweinutzungshuhn

Eine Alternative zum Kükentöten ist die Aufzucht der "Bruderhähne". Sie sind die männlichen Geschwister der Legehennen. Einige Betriebe haben mit der "Bruderhahn"-Aufzucht begonnen und halten die männlichen Tiere zur Erzeugung von Fleisch. Für die Aufzucht dieser männlichen Tiere ist ein deutlich längerer Zeitraum - etwa viermal so lang wie bei der Aufzucht von Masthühnern - erforderlich.

Bei Zweinutzungshühnern wachsen die weiblichen Küken zu Legehennen heran und die männlichen Küken werden zur Mast aufgezogen. Bislang legen die Hühner der Zweinutzungsrassen im Vergleich zu Hühnern reiner Legelinien deutlich weniger Eier. Auch die männlichen Tiere der Zweinutzungsrassen nehmen im Vergleich zu Hähnen der üblichen Mastlinien wesentlich langsamer an Gewicht zu.

Weitere Informationen

Alternativen zum Kükentöten

Das Zweinutzungshuhn - Forschung für mehr Tierwohl

Auf dem Weg zum Beenden des Kükentötens – erste Eier im Handel

Küken
Männliche Küken sollen nicht mehr getötet werden, Quelle: K.-U- Häßler - adobe-stock.com
Die Eier befinden sich in dem Gerät zur Geschlechtsbestimmung im Ei
Geschlechtsbestimmung im Brutei: Eier in einem Prototyp des Geräts für das endokrinologische Verfahren kurz vor dem Einstich durch die Nadeln, klicken Sie auf das Bild, um mehr dazu zu lesen, Quelle: BLE