Gänsehaltung mit Blick auf das Tierwohl

Regionale Vermarktung, die sichtbaren lebenden Gänse und ein Bezug zum Erzeugerbetrieb: Das schätzen viele Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn es darum geht, eine Martins- oder Weihnachtsgans zu kaufen. Diese Kriterien erfüllt beispielsweise der Geflügelhof "Gänsepeter" in Nordrhein-Westfalen.

Darüber hinaus ist der Betrieb einer der Impulsbetriebe im Netzwerk Fokus Tierwohl. Die an diesem Netzwerk teilnehmenden Betriebe haben sich zum Ziel gesetzt, sich darüber auszutauschen, wie sie die Haltung der Tiere auf ihren Betrieben im Hinblick auf das Tierwohl optimieren können. Dazu gehören im Bereich der Gänsehaltung Themen wie die Gestaltung und Strukturierung der Auslaufflächen und auch der Umgang mit Hitzestress im Sommer. Das ist allerdings für Landwirt Peter Eßer "der Gänsepeter" eher kein Problem, da kann er von seinen guten Erfahrungen berichten, denn seine Herden sind in den Maisfeldern unterwegs, die bieten Beschäftigung und Abwechslung und im Sommer Schatten. Der Gänsepeter würde gern mit seinen Kollegen darüber sprechen, wie sie mit Fußballenverletzungen der Tiere umgehen, die immer mal wieder vorkommen.

Der Geflügelbetrieb "Gänsepeter": Produkte aus der Region

Der Geflügelhof "Gänsepeter" ist ein Familienbetrieb und liegt am Ortsrand von Rommerskirchen-Ramrath im Rhein-Kreis Neuss, zentral zwischen den Städten Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach in der Gillbach-Region. Der Betrieb hält 8.000 Mastgänse, 1.200 Legegänse, 500 Masthähnchen und 500 Enten. Die Mastgänse sind in Herden von bis zu 2.500 Tieren auf den Außenflächen unterwegs und können jederzeit in den Stall.

Der Geflügelbetrieb zeichnet sich durch folgende Kriterien aus:

  • eine tiergerechte Haltung mit großzügigen Auslaufflächen
  • eine ausgewogene Ernährung mit Mais und Getreide aus eigener Erzeugung
  • eine gentechnikfreie und rein pflanzliche Ernährung
  • langsames Wachstum
  • eine hofeigene Schlachtung.

Beim Gänsepeter werden die Küken ab Mai eingestallt, dann erhält der Betrieb alle vier Wochen neue Gruppen von Eintagsküken, die jeweils die ersten drei bis vier Wochen in den Aufzuchtställen bleiben, bevor sie nach draußen gehen. Ab Oktober beginnt die Schlachtung idealerweise mit den Gänsen, die zuerst als Küken in den Stall eingezogen sind, so dass die Tiere mindestens 24 Wochen gehalten werden. Der Betrieb praktiziert die Langmast, was ihn von anderen Betrieben, die nicht so lange mästen, unterscheidet.

Denn grundsätzlich ist es so, dass eine Gänsemast in der Regel 16 bis 24 Wochen dauert. Weidegänse sind bei nicht so intensiver Fütterung ab der 20. bis zur 26. Lebenswoche, maximal der 32. Lebenswoche schlachtreif.

So leben die Gillbach-Gänse

Durch Ramrath fließt der Gillbach, oder wie die Einheimischen hier sagen "die Gillbach", der einigen der Produkte wie der Gillbach-Gans den Namen gegeben hat. Seit vier Generationen wird der Hof bewirtschaftet und ist seit rund 25 Jahren auf qualitativ hochwertige Geflügelprodukte spezialisiert. In der Region wird überwiegend Ackerbau betrieben, Tierhaltung ist seltener vertreten. In letzter Zeit sind immer mehr Mobilställe mit Hühnerhaltung zu sehen. Der Gänsepeter wird von den Geflügelhaltern angefragt, ob er die Tiere in seinem Betrieb, der EU-zertifiziert ist, schlachten kann. Diese Unterstützung übernimmt er.

Als Eintagsküken ziehen die Gänse ab Mai auf dem Betrieb in den Stall ein. Die Tiere werden naturnah gehalten. Rund um die Stallungen ist Mais und Gras eingesät und die Tiere entscheiden nach den ersten Wochen im Stall selbst, ob sie sich im Stall oder draußen aufhalten möchten.

Im Maisfeld finden die Gänse Nahrung, Beschäftigung und Schutz. Zusätzlich werden die Gänse mit Getreide aus eigenem Anbau gefüttert. Das Getreide erzeugt der Betrieb auf eigenen Böden in der Gillbach-Region.

Durch die naturnahe Haltung, das langsame Wachstum über den Sommer und eine ausgewogene Ernährung erzeugt der Betrieb ein Geflügel von hoher Qualität. Die Gänse haben ein besonders günstiges Fleisch-Fett-Verhältnis.

Schlachtung und Vermarktung auf dem Hof

Die Schlachtung erfolgt auf dem Hof und erspart daher den Tieren Transportstress, das schafft kurze Wege und ermöglicht die Qualitätskontrolle während der gesamten Produktionskette. Die Tiere werden zunächst in Gruppen von 100 bis 150 Tieren in den Wartestall gebracht und danach noch einmal in kleinere Gruppen von 10 bis 15 Tieren aufgeteilt. Aus diesen Gruppen werden die Tiere einzeln herausgenommen und mit einem Elektroschock betäubt, und anschließend werden die Gänse getötet und aufgehängt. Das Rupfen der Federn erfolgt durch Trockenrupf, das sorgt ebenso für gute Qualität, da kein Wasser an die Tiere gelangt, wie es in anderen Schlachtbetrieben praktiziert wird, so der Gänsepeter.

So kann der Betrieb eine gleichbleibende frische und hohe Qualität garantieren - Renate und Peter Eßer sind überzeugt, dass man das auch schmeckt.

Vermarktet wird das Geflügel über den Großhandel, der die Gastronomen in der Region versorgt, an andere Hofläden und im eigenen Hofladen. Der Betrieb ist bestrebt, nachhaltig zu arbeiten und möglichst alles zu verwerten. Neben diversen verarbeiteten Geflügelprodukten werden daher auch Bettenware aus eigener Produktion angeboten. Im Hofladen werden neben Gänsen und Enten auch Hühnchen und Puten sowie eine Vielzahl von verarbeiteten Produkten angeboten. Zu den Geflügelspezialitäten gehören unter anderem Gänseschmalz, Gänsebrühe und -soße sowie Gänsesülze. Und in der Saison von Januar bis Juni gibt es auch Gänseeier.

Noch ein Highlight: das Gänseei

Eine echte Spezialität sind die Gänseeier, die im Geschmack kräftiger sind als Hühnereier. Am Niederrhein werden Gänseeier übrigens schon seit Jahrhunderten als hochwertiges Nahrungsmittel geschätzt, während man diesen Genuss im übrigen Deutschland kaum kennt. Die Gänseeier werden deutschlandweit versendet.

Für die Gänseeier hält der Betrieb ausschließlich weibliche Gänse in mehreren Herden. Diese Gänse bleiben für rund sechs Jahre im Betrieb. Jede Gans legt in einer Saison - also in der Zeit von Januar bis Juni - ungefähr 40 Eier. Ist das Ei-Gewicht im ersten Legejahr noch recht niedrig, liegt der Durchschnitt später bei circa 160 Gramm.

Grundsätzlich ist ein Gänseei genauso verwendbar wie ein Hühnerei. Will man es gekocht genießen, dann sollte man für die Kochzeit je nach Größe schon circa 10 Minuten einplanen. Die geschmacksintensiven Gänseeier eignen sich auch für Pfannkuchen und natürlich für ein Rührei in allen Variationen. Beim Backen kann man drei Hühnereier durch ein Gänseei ersetzen. Biskuit und Rührteig werden mit Gänseeiern besonders locker und erhalten eine schöne gelbe Farbe.

Für Allergikerinnen und Allergiker gibt Renate Eßer den folgenden Tipp: "Einige unserer Kunden sind gegen Hühner-Eiweiß allergisch, während ihnen unsere Gänseeier keinerlei Probleme bereiten."

Impulsbetriebe im Netzwerk Fokus Tierwohl

Impulsbetriebe Tierwohl sind Betriebe, die durch innovative und nachhaltige Tierwohlkonzepte als Vorreiter des Berufsstandes agieren. Diese sind eine wichtige Säule im Netzwerk Fokus Tierwohl, das ein Verbundprojekt der Landwirtschaftskammern und landwirtschaftlichen Einrichtungen der Bundesländer im Bundesprogramm Nutztierhaltung ist.

Einem deutschlandweiten Aufruf zur Teilnahme sind, neben Betrieben aus den schon bestehenden Netzwerken der Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz, auch DLG-Spitzenbetriebe sowie weitere zukunftsorientierte Betriebe gefolgt. Bis zu 50 Betriebe je Tierart (Rind, Schwein und Geflügel) tauschen sich seit Beginn des Jahres 2021 in den tierartspezifischen Netzwerken zu ihren Erfahrungen und zu neuen Erkenntnissen aus.

Die Netzwerkarbeit findet in Diskussionsrunden in Kleingruppen mit maximal 15 Teilnehmenden oder in größerer Runde in Thementreffen statt. Fachlicher Input wird entweder direkt von den Impulsbetrieben oder von ausgewiesenen externen Referentinnen und Referenten gegeben. Die Betriebe sollen Erfahrungen aus dem In- und Ausland aufnehmen, weiterentwickeln und an betriebliche Gegebenheiten anpassen. Erkenntnisse der Impulsbetriebe werden auch aktiv in die Gremienarbeit des Netzwerk Fokus Tierwohl sowie in Veranstaltungen der Verbundpartner in den Bundesländern eingebracht.

Die Begleitung und Koordinierung des Impulsbetrieb-Netzwerkes erfolgt durch FiBL Deutschland e.V. und DLG e.V. Die teilnehmenden Betriebe sind auf der Impulsbetrieb-Landkarte – nach Tierart und Bundesland auswählbar – zu finden.

Weitere Informationen

Gänsehaltung - Tierschutzbestimmungen in Deutschland

Landwirtschaft.de: Gänse aus heimischer Erzeugung

Verbraucherzentrale: Gans zu St. Martin und Weihnachten: Genuss aus artgerechter Haltung

Netzwerk Fokus Tierwohl

Zur Internetseite des Betriebs "Der Gänsepeter"

Das Schlachtgebäude ist mit dem Label "Gänsepeter" versehen, vor dem Gebäude steht ein Transporter für die erstellten Produkte.
Auf dem Gänsebetrieb "Gänsepeter" wird im hofeigenen Schlachtgebäude direkt vor Ort geschlachtet, die Tiere müssen also nicht transportiert werden, das zur Stressreduzierung vor der Schlachtung beiträgt.
Auf den Außenflächen bieten Maisfelder den Gänsen Beschäftigung, im Hintergrund ist ein Maisfeld zu sehen, das als nächstes für die Tiere freigegeben wird, da das aktuelle Feld inzwischen zum Acker geworden ist.
Die Gänse können frei wählen, ob sie sich im Stall oder draußen aufhalten.
eine Herde Gänse auf der Weide
Die Gänse haben Weideflächen zur Verfügung.
Die Gänse leben in großen Herden zusammen, im Hintergrund sind zwei weitere Herden zu sehen.
Im Hofladen werden unter anderem Gänsesülze, -brühe und -soße angeboten.