Mehr Tierschutz in Zirkussen

Die Zurschaustellung zahlreicher Wildtierarten im Zirkus soll künftig verboten werden. Dies wird in einer Verordnung geregelt, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erarbeitet wurde.

Das Verbot betrifft Giraffen, Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Primaten und Großbären. Diese dürfen in Wanderzirkussen nicht neu angeschafft werden.

Die Haltung im Zirkusbetrieb ist für die Tiere eine große Belastung: Sie sind an bis zu 50 wechselnden Orten im Jahr, Gehege und Ausläufe sind beengt. Dabei haben Wildtiere höhere Ansprüche, wenn es um eine artgerechte Haltung geht, als Tiere, die den Umgang mit den Menschen gewöhnt sind, die sogenannten domestizierten Tiere. Der Umgang mit dem Menschen und mangelhafte Haltungsbedingungen verursachen bei Wildtieren deutlich mehr Stress als bei Haustieren. Eine artgerechte Haltung ist nur schwer oder gar nicht umsetzbar.

Erstmals werden auch spezifische Anforderungen an die Haltung aller Tiere in Zirkussen festgelegt. Dazu gehören:

  • die Unterbringung in geeigneten Haltungseinrichtungen,
  • die Versorgung der Tiere durch fachkundige Personen,
  • Maßnahmen für die Behandlung kranker oder verletzter Tiere,
  • die Beförderung in geeigneten Transportmitteln,
  • die Beschränkung der Beförderungsdauer auf das erforderliche Maß sowie
  • die Trainingsbedingungen nach Alter, Veranlagung, Leistungsbereitschaft, körperliche Belastbarkeit und Ausbildungsstand.

"Wildtiere gehören nicht in die Manege"

Bundesministerin Julia Klöckner hat in ihrer Pressekonferenz am 19.11.2020 gesagt: "Wildtiere gehören nicht in die Manege. Gerade in Wanderzirkussen leiden sie unter dem ständigen Reisen, den oft nicht artgerechten Bedingungen vor Ort. Klar ist deshalb: Hier geht der Tierschutz vor! Mit der Verordnung kommen wir einen großen Schritt voran. Verbunden mit dem klaren Ziel, das jetzt vorgelegte Verbot auf andere Wildtierarten auszuweiten. Voraussetzung dafür ist die wissenschaftliche Grundlage – damit ein Verbot auch rechtssicher ist und bei Klage Bestand hat."

Wildtierarten wie zum Beispiel Großkatzen sind derzeit noch nicht von dem Verbot betroffen, da diese nach Expertenmeinungen nicht rechtssicher zu verbieten sind. Dafür würden derzeit juristisch verwertbare wissenschaftliche Erkenntnisse nicht ausreichen. Das heißt dennoch für den Einzelfall schon auch jetzt immer, dass ein Tier weder leiden noch gequält werden darf.

Es wird noch eine Weile dauern, bis die Verordnung in Kraft treten kann. Zunächst sind noch einige Schritte zu gehen, als nächstes wird der Entwurf Verbänden und Ländern vorgelegt, damit diese Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten.

Das BMEL hat bereits in den vergangenen Jahren Zirkusleitlinien erarbeitet und eine Zirkusregisterverordnung erlassen, um den Tierschutz bei Zirkustieren zu verbessern. Außerdem wurde das Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren überarbeitet. Die Zirkusleitlinien und das Säugetiergutachten dienen den Tierhalterinnen und Tierhaltern und den Überwachungsbehörden als Orientierung bei der Entscheidung, ob eine Tierhaltung den Anforderungen des § 2 des Tierschutzgesetzes entspricht.

Weitere Informationen

bmel.de: Tierschutz im Zirkus

bmel.de: Haltung von Tieren in Zirkusbetrieben (Leitlinien)

Wildtiere wie Elefanten können im Zirkus nicht artgerecht gehalten werden. Quelle: punghi - adobe.stock.com