Bild von einer Kuh

Auf dem Weg zum Beenden des Kükentötens – erste Eier im Handel

Das Kükentöten soll mit der Anwendung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei beendet werden.

Jedes Jahr werden allein in Deutschland etwa 50 Millionen Hühnerküken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Dabei handelt es sich um die männlichen Geschwister der modernen Legehennen. Von den Legehennen stammen unsere Konsumeier. Da für die Erzeugung von Fleisch andere Hühnerrassen besser geeignet sind, werden die Brüder der Legehennen in den meisten Fällen nicht aufgezogen sondern getötet.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat zum Ziel, das routinemäßige Töten dieser sogenannten Eintagsküken zu beenden. Dafür fördert das BMEL die Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei und weitere Alternativen. Mit der Geschlechtsbestimmung kann - bevor die Küken schlüpfen - überprüft werden, ob aus dem Ei ein weibliches oder männliches Huhn schlüpfen würde. Die Legehennen werden dann ausgebrütet, wohingegen auf das Ausbrüten der Hähne verzichtet wird. Die aussortierten Eier kommen beispielsweise als Futtermittel in Frage.

Sobald den Brütereien ein praxistaugliches Verfahren für die Geschlechtsbestimmung zur Verfügung steht, gibt es für das Töten der männlichen Küken keine gesetzliche Rechtfertigung mehr.

Erste Eier im Handel

Auf einer Pressekonferenz am 8. November 2018 präsentierte Bundesministerin Julia Klöckner gemeinsam mit den Firmen SELEGGT und REWE die erste kommerzielle Anwendung der Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei. Ab sofort sind in 223 Berliner REWE- und PENNY-Märkten Schaleneier erhältlich, die mit Hilfe der Geschlechtsbestimmung ohne Kükentöten erzeugt wurden. Es handelt sich um Freilandeier, die mit den Schlagworten "respeggt" und "ohne Kükentöten" gekennzeichnet sind und 1,59 Euro je 6er-Packung kosten. Die Eier stammen von einer ersten Herde von ca. 20.000 Legehennen, bei denen die Geschlechtsbestimmung zum Einsatz kam. Die REWE Group plant bereits für das kommende Jahr die nationale Markteinführung der so genannten "respeggt-Freiland-Eier" auf alle rund 5.500 REWE- und PENNY-Märkte in Deutschland auszudehnen.

Wie funktioniert die Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei?

Die vom BMEL mit bislang rund 5 Millionen Euro geförderten Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei ("In-ovo-Geschlechtsbestimmung") verfolgen zwei völlig unterschiedliche Ansätze:

Beim spektroskopischen Verfahren werden die Eier etwa vier Tage lang bebrütet. Dann wird ein spezieller Lichtstrahl in das Ei-Innere geschickt. Das Geschlecht wird durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt. Eier, die weibliche Embryonen enthalten, werden nach der Geschlechtsbestimmung mit einer Art Pflaster wieder verschlossen.

Beim endokrinologischen Verfahren werden die Eier etwa neun Tage lang bebrütet. Dann wird von jedem Ei etwas Flüssigkeit gewonnen, ohne dass das Ei-Innere berührt wird. An diesen Proben wird das Geschlecht mit einem biotechnologischen Nachweisverfahren innerhalb kurzer Zeit bestimmt. Nach insgesamt 21 Tagen Bebrütung schlüpfen die kleinen Legehennen. Von der Geschlechtsbestimmung bekommen die sich entwickelnden Küken nichts mit. Dieses Verfahren ist bei den jetzt im Handel erhältlichen Eiern bei der Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei zur Anwendung gekommen.

Erläuterung zum Tierschutzgesetz

Warum ist mit der Methode zur Geschlechtsbestimmung im Ei ein Verbot des Kükentötens nicht notwendig?

§ 1 des Tierschutzgesetzes regelt: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Sobald praxistaugliche Alternativen zum Töten der Küken vorhanden sind, greift das Tierschutzgesetz automatisch und das Töten männlicher Eintagsküken ist verboten.

Weitere Informationen

Durchbruch - Gemeinsam Kükentöten beenden! (BMEL-Pressemitteilung)

Alternativen zum Kükentöten

Männliche Küken sollen nicht mehr getötet werden, Quelle: K.-U- Häßler - adobe-stock.com
In so einem Gerät befinden sich die Eier, während die Geschlechtsbestimmung durchgeführt wird, Quelle: BLE
Bildausschnitt aus dem Video zur Erläuterung des endokrinologischen Verfahrens, Quelle: BMEL