Bild von einer Kuh

Bessere Orientierung für Verbraucher durch staatliches Tierwohlkennzeichen

Am 4. September hat das Bundeskabinett das Gesetz für das staatliche Tierwohlkennzeichen beschlossen. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner hatte die Kriterien für das neue Tierwohlkennzeichen am 6. Februar der Öffentlichkeit vorgestellt.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollen schnell erkennen können, wo mehr Tierwohl drinsteckt, und Tierhalterinnen und Tierhalter sollen für ihre Mehrinvestitionen zum Wohle der Tiere honoriert werden. Denn: Die Mehrkosten für mehr Tierwohl können nicht alleine die Tierhalter tragen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind gefragt, ihren Wünschen nach mehr Tierwohl beim Einkauf auch Ausdruck zu verleihen.

Das anspruchsvolle staatliche Siegel hat zur Voraussetzung, dass nur diejenigen damit werben dürfen, die verpflichtend und überprüfbar höhere Tierschutzanforderungen, die über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen, erfüllen.

Es wird Verbesserungen beim Platzangebot, bei den Beschäftigungsmaterialien, der Strukturierung der Buchten, beim Transport der Tiere geben, aber auch bei Fortbildung und Stallmanagement der Tierhalter. Mindestens 20 Prozent mehr Platz für die Tiere gelten bereits in der ersten Stufe, aber auch ressourcen- und managementbezogene Kriterien liegen zu Grunde. Bei der Verleihung des Kennzeichens wird die gesamte Lebensspanne eines Tieres in den Blick genommen: von der Geburt bis zur Schlachtung.

Das Kennzeichen wird zunächst für Schweine gelten, dann soll es ausgeweitet werden: zum Beispiel auf Geflügel.

Das staatliche Tierwohlkennzeichen wird drei qualitativ aufeinander aufbauende Stufen haben, um die Vermarktungschancen zu optimieren. Pro Stufe werden die Anforderungen höher sein. Die Kriterien des Kennzeichens sind u.a.:

  • mehr Platz für die Tiere,
  • mehr Beschäftigung und Raufutter,
  • stärkere Buchtenstrukturierung,
  • keine betäubungslose Ferkelkastration,
  • längere Säugephase,
  • Einstieg in den Ausstieg aus dem Schwänzekupieren,
  • weitergehende Anforderungen an Eigenkontrollen,
  • bessere Transportfahrzeuge ab 4 Stunden Transport,
  • Tiergesundheitsbenchmarking,
  • mehr Tierschutz bei der Schlachtung,
  • regelmäßige Tierschutzfortbildung der Tierhalter,
  • Tränken, die ein Saufen aus offener Fläche ermöglichen.

Tierwohlkennzeichen ist freiwillig

Bundesministerin Klöckner erklärt, warum das Tierwohlkennzeichen nicht verpflichtend für alle ist: "Weil das Kennzeichen dem Verbraucher ein Mehr an Tierwohl anzeigen soll, denn die Anforderungen liegen über den gesetzlichen Mindeststandards.

Das staatliche Tierwohlkennzeichen ist mehr als ein reines Haltungskennzeichen. Wir zeichnen nicht bereits Produkte aus, die lediglich den gesetzlichen Mindeststandard erfüllen. Das Tierwohlkennzeichen soll dem Verbraucher aber auf den ersten Blick vermitteln: Hier handelt es sich um ein Produkt, in dem ein Mehr an Tierwohl zur Grundlage liegt. Man belobigt auch keinen Autofahrer, der an einer roten Ampel und sich damit einfach an die Verkehrsregeln hält.

Verbraucher wollen aber nicht wissen, ob sich jemand an die gesetzlichen Mindestanforderungen gehalten hat, was selbstverständlich sein sollte und keines besonderen Labels bedarf. Verbraucher wollen wissen, wo mehr Tierwohl drinsteckt, sie wollen das beim Einkauf auch erkennen können. Deshalb dürfen nur diejenigen mit dem staatlichen Tierwohlkennzeichen werben, die verpflichtend und überprüfbar höhere Kriterien von der Geburt bis zur Schlachtung des Tieres eingehalten haben. Im Übrigen ist auch das Bio-Siegel freiwillig und nicht verpflichtend und bis heute ein Erfolg."

Weitere Informationen

Das staatliche Tierwohlkennzeichen

Gesetz und Kriterien zum Herunterladen

Tierwohlkennzeichengesetz (TierWKG)

Das staatliche Tierwohlkennzeichen für Schweine: Grafische Darstellungen der Kriterien

Am 6. Februar 2019 hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Kriterien für das staatliche Tierwohlkennzeichen vorgestellt
Bereits in der ersten Stufe: mindestens 20 Prozent mehr Platz für die Tiere
In allen drei Stufen des staatlichen Tierwohlkennzeichens müssen Tierhalterinnen und Tierhalter Raufutter und organisches Beschäftigungsmaterial zum Kauen, Wühlen und Fressen anbieten