Bild von einer Kuh

Wohlbefinden von Milchkühen steigern – mit Hilfe der Wissenschaft

Auf dem Versuchsgut Frankenforst in Bonn stellte die Universität Bonn ihr Projekt "CowSoft" vor und gab damit Einblicke in den Stand ihrer Tierwohl-Forschung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen in diesem Projekt, ob verschiedene Stallbauausführungen Einfluss auf das Wohlbefinden der Kühe haben.

Tierhalter diskutieren nämlich derzeit, wie Stress bei Milchkühen vermieden werden kann und was bei der Stallplanung berücksichtigt werden kann, um zu mehr Wohlbefinden der Kühe beizutragen. Dabei müssen die natürlichen Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt werden. Entscheidend ist es, herauszufinden, welche Faktoren besonders relevant sind, damit sich Tiere wohl fühlen und wie man Tierwohl erkennen oder gar messen kann.

Verhalten der Kühe mit Sensoren messen

In dem Forschungsprojekt „CowSoft“ werden die Kühe mit neuartigen Sensoren versehen, die messen, wo sich die Kuh im Stall aufhält, wie lange sie steht oder liegt, wann und wieviel sie frisst und trinkt. Mit einer Methode, die Herzratenvariabilität (HRV) heißt, wird die Belastung bei den Tieren beurteilt.  Mit einem Bauchgurt werden die Sensoren für die Herzfrequenz befestigt. Dabei achten die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter darauf, dass nichts scheuert - und es wird auch noch ein Polster unter dem Gurt angebracht. Um die Daten kontrollieren zu können, sind auch Videokameras im Stall angebracht. Außerdem werden die Tiere beobachtet.

Digitales Kuh-Tagebuch

Seit zwei Jahren tragen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Daten zusammen. Beispielsweise dauert es zwei Monate, alle Daten, die in 5-Minuten-Zeiträumen vorliegen, zu einem "Kuh-Tagebuch" zusammenzutragen.

Erstaunt sind die Wissenschaftler über ein Ergebnis, dass sie durch die erhaltenen Daten feststellen konnten: Kühe können sich an Haltungsänderungen anpassen – und das ohne Einbußen bei der Milchleistung. Die Wissenschaftler hatten angenommen, dass Veränderungen im Stall zu Stress bei den Kühen führen. Aber die Umbauten, die sie im Stall vorgenommen haben, haben bei den Kühen keinen Unterschied gezeigt, die Kühe haben sich nicht anders verhalten als vorher.

Vorstellung des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL)

Erkenntnisse wie dieses aus dem Forschungsprojekt "CowSoft" zeitnah und praxisorientiert in die Landwirtschaft zu kommunizieren, ist eine der Aufgaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL), das nun offiziell vorgestellt wurde. Das BZL wird Austausch und Diskussion voranbringen - im Internet und auf Veranstaltungen. "Die Kommunikation von Forschungsergebnissen bedarf Übersetzungsarbeit. Diese leistet das BZL mit seiner Expertise aus verschiedenen Projektträgerschaften und Kommunikationskampagnen. Moderne, nachhaltige Landwirtschaft soll für jedermann transparent und verständlich werden", beschreibt Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, die Aufgabe des BZL, das in der BLE angesiedelt ist.

Informationen für Landwirte und Verbraucher

Ziel des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft ist es, objektiv zu informieren und dadurch ein besseres Verständnis moderner Landwirtschaft zu fördern. Damit möchte das Zentrum, das im Februar 2017 errichtet wurde, einen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog über Landwirtschaft und zu der Rolle der Landwirtschaft in der Gesellschaft leisten. Dabei geht es auch um Forst, Fischerei, Gartenbau, Sonderkulturen und Imkerei sowie um die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten.

Das BZL richtet sich an eine breite Öffentlichkeit, die neben Vertretern der Land- und Ernährungswirtschaft auch Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Landwirtinnen und Landwirte umfasst.

Das BZL hilft künftig, ein realistisches Bild der Landwirtschaft zu zeigen

Zu den wesentlichen Aufgaben des BZL zählt es

  • den praxisnahen Wissenstransfer in die Landwirtschaft zu stärken,
  • Vertretern der Land- und Ernährungswirtschaft den Zugang zu Daten zu erleichtern und
  • Verbraucherinnen und Verbraucher sachlich und ausgewogen über Landwirtschaft zu informieren, damit sie fundierte Konsumentscheidungen treffen können.

Neben der Information über Landwirtschaft fördert das BZL auch den Dialog über Landwirtschaft und setzt sich dafür ein, Verbraucherinnen und Verbraucher auf der einen und Landwirtinnen und Landwirte auf der anderen Seite wieder stärker miteinander ins Gespräch zu bringen.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert die Forschung

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert Projekte im Bereich der Nutztierhaltung unter anderem mit Bezug auf Tiergesundheit, tierschutzgerechte Haltungssysteme und Verbesserung des Wohlbefindens landwirtschaftlicher Nutztiere. Dieses ist auch einer der Eckpunkte der Tierwohl-Initiative "Eine Frage der Haltung".

Weitere Informationen

Schwerpunkt Forschung in der Initiative "Eine Frage der Haltung

Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL)

Broschüren/Flyer des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft

 

 

Die Kuh Antara mit einem Sensor am Halsband. Quelle: BLE
Maren Krämer (Mitarbeiterin im Projekt CowSoft) befestigt einen Sensor zur Messung der Herzfrequenz. Quelle: BLE
Frau Dr. Müller erläuterte das Projekt zum Wohlbefinden der Milchkühe, Anlass war die Vorstellung des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) durch den Präsidenten der BLE Herrn Dr. Eiden (rechts) und Herrn Dr. Nickel, dem Leiter des BZL. Quelle: BLE