Bild von einer Kuh

Das Kükenschreddern soll ein Ende haben

Die Brüterei Lohmann testet die Geschlechtsbestimmung von Küken im Ei in der Praxis.

Für die Geschlechtsbestimmung im Ei hat die Universität Leipzig ein Gerät entwickelt, das einen Prototypen darstellt, d.h. das Gerät ist noch nicht für den Dauereinsatz geeignet. Im Moment können nur einige Eier pro Stunde untersucht werden. Bei 100 Millionen Eiern, die in Deutschland pro Jahr bestimmt werden müssten, ist das zu langsam. Daher wird an der Praxisreife der Maschine weitergearbeitet. Neben der Arbeitsgeschwindigkeit wird auch noch am Beprobungserfolg gearbeitet.
Wenn die Forschung gut voranschreitet, könnte diese Maschine im Jahr 2018 in den Brütereien zum Einsatz kommen.

So funktioniert das Verfahren

Bei der Methode, die hier eingesetzt wird, handelt es sich um die sogenannte endokrinologische Methode. Dabei werden die Eier etwa neun Tage lang bebrütet. Zwischen dem 8. und 10. Tag wird von jedem Ei über eine Nadel etwas Flüssigkeit (embryonaler Harn) entnommen. An diesen Proben wird das Geschlecht mit einem biotechnologischen Nachweisverfahren anhand der enthaltenen Hormone innerhalb kurzer Zeit bestimmt. „Man muss sich das so vorstellen wie einen Schwangerschaftstest“, erklärt Frau Dr. Almuth Einspanier bei der Vorstellung des Gerätes in der Brüterei. Die Proben der Eier, aus denen sich männliche Küken entwickeln würden, verfärben sich blau; die Proben der Eier, aus denen die weiblichen Küken schlüpfen, bleiben weiß.

Die Proben sind den Eiern exakt zugeteilt, damit sie anschließend sortiert werden können. Die Eier, aus denen männliche Küken schlüpfen würden, werden aussortiert und nicht mehr weiter bebrütet. Ebenso werden nicht befruchtete Eier aussortiert. Die Wissenschaft muss noch erforschen, was am besten mit diesen Eiern gemacht werden soll, da sie eine sehr wertvolle Proteinquelle sind.

Die anderen Eier werden weiter bebrütet. Nach insgesamt 21 Tagen schlüpfen die weiblichen kleinen Küken, von der Geschlechtsbestimmung bekommen die Tiere nichts mit. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Leipzig haben sich dieser Fragestellung angenommen, ob die Untersuchungen irgendeinen Einfluss auf die Gesundheit der Küken haben. Sie haben die Schlupfrate und die Entwicklung der Küken mit anderen Küken verglichen und haben keinen Unterschied festgestellt.

Das BMEL fördert die „in Ovo“-Geschlechtsbestimmung

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert mit hoher Priorität im Rahmen seiner Initiative "Eine Frage der Haltung - Neue Wege für mehr Tierwohl" die Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im befruchteten Hühnerei. Die Forschung nennt dies „In Ovo-Geschlechtsbestimmung". Aus den mit mehreren Millionen Euro geförderten Forschungsprojekten sind verschiedene praxistaugliche Methoden entstanden, eine davon ist die Methode des endokrinologischen Verfahrens. Die REWE Group will mit einem holländischen Technologie-Unternehmen das Verfahren zur Praxisreife weiterentwickeln.

Hintergrundwissen zur Nachwuchsgewinnung von Legehennen

Derzeit werden in Deutschland jährlich rund 45 Millionen männlicher Küken getötet, denn bei der Nachwuchsgewinnung für Legehennen hat die Geflügelwirtschaft keine Verwendung für die männlichen Küken. Die männlichen Hühner in diesen Zuchtlinien der Legehennen setzen wenig Fleisch an. Und Eier legen sie sowieso nicht.

Aus diesem Grunde sind die Bruderhahn-Projekte entstanden, die aufgezogen werden, und davon profitieren, dass ihre „Schwestern“ Eier legen, die etwas mehr kosten. Aus diesen Kosten wird das Futter und die Aufzucht der männlichen Küken finanziert. Wer also etwas für das Tierwohl tun möchte, kann sich bereits jetzt dafür entscheiden.

Erläuterung zum Tierschutzgesetz

Mit dieser Methode ist ein Verbot des Kükentötens im Tierschutzgesetz nicht notwendig. Denn: § 1 des Tierschutzgesetzes regelt, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Wenn das in diesem Forschungsprojekt zu entwickelnde Gerät als praxistaugliche Alternative zum Töten der Küken vorhanden ist, greift automatisch das Tierschutzgesetz in dieser jetzigen Form und das Töten männlicher Eintagsküken ist verboten.

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt informiert sich bei Frau Dr. Almuth Einspanier, wie das Verfahren funktioniert, im Hintergrund Herr Dr. Ludger Breloh von der REWE Group. Künftig soll die Frage der Kinder "Mami, stimmt es wirklich, dass die Hälfte der Küken, weil es männliche sind, getötet werden?" mit NEIN beantwortet werden, so Bundesminister Schmidt. Quelle: BLE
In der Mitte des Fotos sieht man, wie die Nadeln in die Eier einstechen. Quelle: BLE
An den Verfärbungen ist das Geschlecht der Küken schon im Ei zu erkennen: blau steht für männlich, weiß steht für weiblich. Quelle: BLE
Bildausschnitt aus dem Video zur Erläuterung des endokrinologischen Verfahrens