Bild von einer Kuh

Hühnerleben: Mehr Schutz für männliche Küken

Sie legen keine Eier und setzen wenig Fleisch an – männliche Küken. Weltweit besiegeln diese Eigenschaften in den meisten Brütereien ihr Schicksal: Da sich die Aufzucht der Hähne nicht rechnet, werden sie unmittelbar nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet. Unter dem Begriff „Kükenschreddern“ ist diese Praxis in den vergangenen Jahren verstärkt in den Blick der Öffentlichkeit gerückt.

Doch wie lässt sich das aus Tierschutzsicht und ethischen Gründen abzulehnende, rechtlich aber umstrittene Töten der Küken vermeiden? Das Bundeslandwirtschaftsministerium sucht nach Alternativen und fördert im Rahmen seiner Tierwohlinitiative „Eine Frage der Haltung“ entsprechende Forschungsvorhaben.

Experten diskutieren derzeit im Wesentlichen drei Alternativen: Die „in ovo“-Geschlechtsbestimmung, das „Zweinutzungshuhn“ und die „Bruderhahn-Initiative“. Was zeichnet diese Alternativen aus? Was können sie leisten und wo liegen ihre Grenzen?

Das „Zweinutzungshuhn“

Bei so genannten Zweinutzungshühnern handelt es sich um Kreuzungszuchtlinien oder Rassen, bei denen beide Geschlechter aufgezogen werden: Weibliche Küken kommen als Legehennen zum Einsatz; männliche Küken werden zur Mast aufgezogen. Wer sich als Landwirt für diese besondere Nutzungsrichtung entscheidet, verzichtet auf Maximalerträge, geht er doch zum Wohl der Tiere einen gleichsam doppelten Kompromiss ein. Denn: Die weiblichen Tiere legen weniger Eier als herkömmliche Legehennen, die männlichen Tiere nehmen im Vergleich zu Hähnen üblicher Mastlinien langsamer zu und haben eine geringere Fleischausbeute.

„Das Zweinutzungshuhn ist dort eine Alternative, wo Verbraucher bereit sind, die derzeit deutlich höheren Preise für Fleisch und Eier zu zahlen“, urteilt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Momentan hält sich die Nachfrage in Grenzen. Nur wenige Verbraucher sind geneigt, den erforderlichen Aufpreis von gegenwärtig rund zwei Euro mehr pro Kilogramm Hähnchenfleisch und fünf bis zwölf Cent Mehrkosten pro Ei zu zahlen.

Aus Sicht von Experten ist daher absehbar: Zweinutzungshühner werden nur dann eine echte Alternative, wenn es gelingt, Tiere züchten, die mehr Eier legen und sich besser mästen lassen. Verschiedene Zuchtunternehmen haben dies erkannt und widmen sich bereits verstärkt dieser Aufgabe.

Daneben gibt es noch alte regionale Haushuhnrassen, wie etwa das Vorwerkhuhn oder das Sulmtaler Huhn, deren Bestände auf Zeiten weit vor Beginn der auf einseitige Nutzungsrichtungen ausgelegten Hochleistungszüchtung zurückgehen und mittlerweile als gefährdet gelten. Als Zweinutzungsrassen werden sie heute  noch von Liebhabern in Erhaltungszuchtringen betreut und für kleine Marktnischen genutzt.

Die „Bruderhahn-Initiative“

Neben dem Zweinutzungshuhn macht derzeit die „Bruderhahn-Initiative“ von sich reden. Hier handelt es sich nicht um eine besondere Rasse. Vielmehr werden die Brüder herkömmlicher Legehennen nicht aussortiert und getötet, sondern ebenfalls aufgezogen. Dabei wird in Kauf genommen, dass sie deutlich weniger Fleisch liefern, stärker verfetten können und eine deutlich schlechtere Futterverwertung aufweisen als männliche Küken aus Masthuhn- und Zweinutzungslinien. Der geringere Ertrag für das Fleisch dieser Tiere wird in diesem Modell über einen höheren Verkaufspreis der Eier aufgefangen – gleichsam ein „Bruderhahn-Soli“.

Das große Plus beider Modelle (Zweinutzungshühner, Bruderhähne) ist das Mehr an Tierschutz, mit dem vermieden wird, die männlichen Küken zu töten. Dem gegenüber stehen allerdings nicht nur die höheren Kosten bzw. Preise, sondern auch ein deutlich höherer Ressourcenverbrauch (Futter, Wasser, Nutzfläche). Das BMEL fördert deshalb ein Forschungsverbundvorhaben, in dem Optimierungsmöglichkeiten für den Einsatz des Zweinutzungshuhns aus der Sicht des Tier-, Verbraucher- und Umweltschutzes sowie der Wirtschaftlichkeit untersucht werden.

Die „in ovo“-Geschlechtsbestimmung

Als dritte Alternative gilt die „in ovo“-Geschlechtsbestimmung. Diese setzt darauf, bereits frühzeitig im Ei (lat. „in ovo“) das Geschlecht eines Tieres bestimmen zu können. Gelingt dies, sollen nur noch die weiblichen Tiere ausgebrütet werden. Die „männlichen“ Eier würden vorher aussortiert und könnten als wertvoller Rohstoff für andere Zwecke verwendet werden. Ist diese Methode praxisreif, dürfte sie die Alternative sein, die am ehesten in einem kurzen Zeitraumflächendeckend bundesweit zum Einsatz kommen könnte. Die Entwicklung der Methode wird intensiv vom BMEL gefördert und ist schon weit fortgeschritten.

Das BMEL unterstützt das Verbundforschungsprojekt zur „In-Ovo-Geschlechtsbestimmung“ an der Universität Leipzig. Die Geschlechtsbestimmung am befruchteten Hühnerei stellt nach derzeitigem Kenntnisstand die Option mit dem größten Potential dar, um das Töten männlicher Küken zu beenden. Der Film erläutert die Hintergründe und erklärt das Verfahren.