Bild von einer Kuh

Konkrete Verbesserungen in der Legehennenhaltung durch Modellvorhaben

Mit den Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ausgewählte landwirtschaftliche Betriebe dabei, Erkenntnisse aus der Wissenschaft zur Nutztierhaltung auszuprobieren. Ziel ist es, gute und erfolgreiche Beispiele für mehr Tierwohl im Stall bekannt zu machen und dadurch in die Breite zu tragen, damit alle landwirtschaftlichen Betriebe davon erfahren und die getesteten Maßnahmen ebenso wie die Modellbetriebe umsetzen.

Bisherige Erfahrungen und Ergebnisse haben Landwirte, Wissenschaftlerinnen, Tierberaterinnen sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Geflügelverbänden und Landwirtschaftskammern am 11. April 2018 bei einem MuD-Fachgespräch in Bonn zusammengetragen, diskutiert und über die weiteren Schritte beraten. Konkret ging es in dieser Veranstaltung um die Legehennenhaltung.

Keine Schnabelbehandlung bei Legehennen mehr

Das BMEL hatte 2015 im Rahmen einer freiwilligen Vereinbarung mit der Geflügelbranche den Verzicht auf das routinemäßige Kürzen der Schnäbel bei Legehennen und Mastputen auf den Weg gebracht. Seit 2017 werden in Deutschland keine schnabelbehandelten Legehennen mehr eingestallt. Die Tierhalter wollen mit dem Kürzen der Schnabelspitzen verhindern, dass die Tiere sich gegenseitig verletzen. Das Federpicken und gegenseitige Verletzen hat vielfältige Ursachen. Klar ist nur: Je größer das Wohlbefinden der Tiere in einer Herde, desto geringer das Risiko. Mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung lässt sich oft schon erreichen, wenn an einzelnen Stellschrauben im landwirtschaftlichen Betrieb gedreht wird. Dazu zählen beispielsweise Veränderungen bei der Fütterung, beim Stallklima oder bei der Beleuchtung. Hier setzen die Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz an.

Mehr Wissen in die Ställe bringen

Die Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz sind ein großer Erfolg, darin sind sich alle Beteiligten einig. Seit dem Beginn des Projektes ist mehr Wissen in die Ställe gelangt. Landwirte werden intensiv beraten und tauschen sich untereinander über ihre Erfahrungen aus. Durch die Förderung können die Landwirte in einem wirtschaftlich gesicherten Rahmen testen, welche Maßnahmen wirkungsvoll sind.

Die teilnehmenden Landwirte berichten, was sie alles ausprobiert haben, womit sie mehr oder weniger Erfolg im Hinblick auf das Vermeiden von Federpicken bei unbehandelten Hennen und die Tiergesundheit haben. Wichtig ist die regelmäßige Tierbeobachtung, um direkt erkennen zu können, wenn etwas nicht in Ordnung ist, damit auch direkt gehandelt werden kann. "Trockene Einstreu ist das A und O", berichtet Landwirt Strauß aus Niederbayern. Er bietet seinen Legehennen auch Sandbäder im Stall und ist damit sehr erfolgreich, da er keine Milben mehr feststellte. Er testet auch die Wirkung von Musik im Stall, ein Radio wurde angebracht und es läuft unterschiedliche Musik in verschiedenen Lautstärken.

Die Teilnahme an den MuD Tierschutz bringt mehr Wissen. Die Umsetzung der Maßnahmen heißt aber auch mehr Zeitaufwand und erhöhte Kosten für Material, geringere Besatzdichten, d.h. weniger Tiere pro Quadratmeter, und Umbaumaßnahmen. Der Zeitbedarf macht sich nicht nur in der Zeit direkt mit den Tieren sondern auch beispielsweise beim erhöhten Aufwand für das Einstreuen, beim Bringen und Austauschen von Beschäftigungsmaterial wie Heunetzen und Picksteinen, dem Betreiben der Körnermaschine und dem Messen des Stallklimas und der Lichtintensität bemerkbar. Landwirt Strauß vermarktet seine Produkte direkt und hat dadurch den Vorteil, dass er den Verbraucherinnen und Verbrauchern auch erklären und zeigen kann, was er mehr für das Tierwohl tut und dass er dadurch einen höheren Preis erzielen muss.

Hilfen zur Beurteilung des Tierzustandes

Für die Tierbeobachtung steht den Landwirten das von der Wissenschaft entwickelte Managementtool, das sogenannte MTool, zur Verfügung. Die Wissenschaftlerin Dr. Keppler forscht seit vielen Jahren auf diesem Aufgabengebiet und stellt fest: "Die Praxisnähe der MuD Tierschutz ist als Erfolgsmodell auszuzeichnen".

Die Wissenschaft betrachtet beispielsweise die natürlichen Verhaltensweisen der Legehennen. Wichtig zu wissen ist: Ein Huhn macht 10.000 bis 15.000 Pickschläge am Tag – überwiegend zur Futtersuche. 15 Prozent der Pickaktivität drehen sich um die Rangordnung und gehen gegen den Kopf. Haben die Hennen viel Beschäftigung sind die Schnäbel gut abgearbeitet, also nicht so spitz, dadurch fallen Verletzungen beim Picken gegen andere Hennen nicht so schwer aus. Mit dem wissenschaftlichen Wissen geht Frau Dr. Keppler als Beraterin zu den Landwirten in den Stall, um dort das Wissen weiterzugeben.

Um die Tiere beurteilen zu können, wurde die Tiergesundheit definiert und das Aussehen der Hennen in unterschiedlichem Alter dokumentiert. So entstanden Beurteilungskarten, die die Landwirte nun nutzen, um den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden ihrer Tiere überwachen und verbessern zu können. Ein Ampelsystem zeigt den Handlungsbedarf an.

Wie geht es weiter?

Die bisher erreichten Ergebnisse zeigen, dass das Geld, das in die Modell- und Demonstrationsvorhaben gesteckt wird, gut angelegt ist. Aus diesem Grunde werden diese weiter fortgeführt. Das Wissen wird auf die landwirtschaftlichen Betriebe gebracht, es sollen möglichst alle erreicht werden. Die Hilfsmittel zur Tierbeurteilung werden weiterentwickelt, technische Hilfsmittel werden erarbeitet und bereitgestellt. Ein E-Learning-Modul für alle Tierbetreuer vermittelt das Wissen, das bei der Haltung schnabelungekürzter Legehennen wichtig ist. Dieses Modul wird in alle notwendigen Sprachen übersetzt.

Ein positiver Effekt dieses praxisnahen Ansatzes ist zudem, dass durch Direktvermarktung und Hofschildern auf den Betrieben das Wissen über die Veränderungen in die Öffentlichkeit getragen wird. Die Probleme werden angesprochen aber es wird auch gezeigt, was getan wird, um diese zu lösen. Und es ist wichtig, an den Problemen dranzubleiben, auch wenn es sich über einen längeren Zeitraum erstreckt und man eigentlich denkt, es passiert gar nichts. Rückblickend kann dann festgestellt werden, dass sich doch etwas geändert hat.

Bürger in den Stall

Wenn Sie auch einmal einen Blick in einen Stall werfen wollen und Ihre Fragen an Landwirte richten möchten, nutzen Sie die Gelegenheiten, beispielsweise am "Tag des offenen Hofes". Dazu haben wir auch hier auf dem Portal schon berichtet sowie Adressen zusammengestellt, wo Sie sich informieren können, wann und wo ein Besuch in Ihrer Nähe möglich wäre.

Weitere Informationen

Haltung von Legehennen mit unbehandeltem Schnabel: Blick in einen Modellstall

Mit einem Tierwohlcheck mehr Tierschutz für Legehennen umsetzen

Mehr Tierwohl für Legehennen

Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz

Tag des offenen Hofes

Mehr Tierwohl in den Stall: Wie der Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis funktioniert, erläutert Wissenschaftlerin Dr. Keppler im Gespräch mit dem Moderator Dr. Schulze Pals, Quelle: BLE
Landwirt Strauß berichtet anschaulich von seinen Praxiserfahrungen in der Legehennenhaltung, Quelle: BLE
Silvio Schmidt berichtet von der Junghennenaufzucht, auf dem Betrieb werden die in den MuD gelernten Maßnahmen auch in den anderen Ställen eingesetzt, Quelle: BLE
Podiumsdiskussion mit Vertretern der Wissenschaft, der Politik, der Geflügelbranche, der Landwirtschaftskammern und der landwirtschaftlichen Praxis, Quelle: BLE