Bild von einer Kuh

Maßnahmen zum Tierschutz in Deutschland

Alle vier Jahre informiert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Tierschutzbericht über den Stand der Entwicklung des Tierschutzes.

Der Bericht dokumentiert, mit welchen konkreten Maßnahmen die Bundesregierung zu einer Verbesserung der Situation von Nutz-, Heim- und Versuchstieren beiträgt. Der im Dezember 2019 vorgelegte Tierschutzbericht umfasst die Jahre 2015 bis 2018.

Bundesministerin Julia Klöckner hob bei der Vorstellung des Berichtes den Erfolg auf dem Weg zum Ausstieg aus dem ethisch nicht vertretbaren Kükentöten hervor. Mit der vom Bundesministerium maßgeblich mitfinanzierten Forschung habe es hier einen Durchbruch gegeben: Seit November 2018 sind in den ersten Supermärkten Eier erhältlich, in deren Produktionskette das Verfahren der Geschlechtsbestimmung im Ei angewandt wurde. So wird verhindert, dass männliche Küken überhaupt erst schlüpfen.

Deutschland ist mit der Forschung und den Umsetzungsanstrengungen führend in der EU. Das Ziel ist es, bis Ende 2021 als erstes Land aus dem Kükentöten auszusteigen. Um eine entsprechende Vereinbarung zu erreichen, haben bereits mehrere Runde Tische mit der Branche stattgefunden. Denn mit einem Gesetz müssten lange Übergangszeiten eingeräumt werden.

Außerdem arbeitet das Bundeslandwirtschaftsministerium an der Einführung eines staatlichen Tierwohlkennzeichens – einem Positivkennzeichen wie auch das Bio-Siegel. Damit sollen Produkte, die nachprüfbar und kontrolliert für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung stehen, auf den ersten Blick erkennbar werden.

Der Tierschutzbericht schaut insbesondere auf die Aktivitäten der Initiative zur Verbesserung des Tierwohls in Deutschland und Europa, die 2014 gestartet wurde.

Hier ein paar Beispiele, welche Ergebnisse erzielt wurden:

Kein Schnabelkürzen bei Legehennen mehr

Im Juli 2015 wurde die Vereinbarung zur Verbesserung des Tierwohls, insbesondere zum Verzicht auf das Schnabelkürzen in der Haltung von Legehennen und Mastputen von der betroffenen Geflügelwirtschaft und dem BMEL unterzeichnet. Die praktische Umsetzung verläuft wie vereinbart, die Brütereien haben das Kupieren der Schnäbel bei den Küken, die für die Legehennenhaltung in Deutschland vorgesehenen sind, seit dem 1. August 2016 eingestellt.

Kein Schlachten hochträchtiger Tiere

Nach Paragraph 4 des Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetzes ist es grundsätzlich verboten, Säugetiere (außer Schafe und Ziegen) im letzten Drittel der Trächtigkeit zum Zwecke des Schlachtens abzugeben. Kleine Wiederkäuer wurden im Gesetzgebungsverfahren ausgenommen, da die Haltungsverfahren und sonstigen Rahmenbedingungen grundlegend anders sind als im Bereich der Haltung von z. B. Rindern und Schweinen. Die Regelung ist am 1. September 2017 in Kraft getreten.

Geschlechtsbestimmung im Ei

Das BMEL verfolgt das Ziel, das Töten von Eintagsküken möglichst schnell mithilfe einer praxistauglichen Alternative zu beenden. Hierzu hat das BMEL die Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei seit dem Jahr 2008 mit rund 6,5 Millionen Euro gefördert. Aus dieser Forschung sind zwei unterschiedliche Verfahren zur Geschlechtsbestimmung hervorgegangen, ein endokrinologisches und ein spektroskopisches Verfahren. Seit dem 8. November 2018 sind in einigen Supermärkten Eier erhältlich, die von Legehennen gelegt wurden, die das Verfahren der Geschlechtsbestimmung im Ei durchlaufen haben.

Tierwohlkennzeichen

Das BMEL arbeitet an der Einführung eines freiwilligen staatlichen Tierwohlkennzeichens für bestimmte tierische Produkte, bei deren Erzeugung höhere als die gesetzlichen Mindeststandards eingehalten wurden. Dieses staatliche Tierwohlkennzeichen wird sich nicht am Konzept der Eierkennzeichnung orientieren. Wesentliche Unterschiede sind insbesondere ein nationaler Rechtsrahmen, eine freiwillige Teilnahme und Anforderungen, denen nicht Haltungssysteme, sondern insbesondere tierbezogene Kriterien zugrunde liegen, aber auch ressourcen-, managementbezogene Kriterien. Das Kennzeichen soll im Bereich Schwein starten, später sollen weitere Tierarten einbezogen werden.

Aktivitäten für Tierschutz auf internationaler und auf EU-Ebene

Die gemeinsame Initiative Deutschlands, Dänemarks und der Niederlande für mehr Tierschutz soll Fortschritte auf EU-Ebene in Gang bringen und zugleich Wettbewerbsverzerrungen verhindern. Bislang wurden eine gemeinsame „Dacherklärung“, ein Positionspapier zum Tierschutz beim Transport, ein Positionspapier zum Tierschutz in der Schweinehaltung, ein Vorschlag zur Einrichtung einer Tierschutz-Informationsplattform auf EU-Ebene sowie ein Positionspapier zur Junghennenhaltung unterzeichnet. Schweden und Belgien sind dem Bündnis zwischenzeitlich beigetreten.

Haltung von Sauen in Kastenständen

Bund und Länder haben sich intensiv über eine Neuregelung der Kastenstandhaltung von Sauen ausgetauscht. Eine solche Neuregelung muss den Tierschutz, aber auch ökonomische Gesichtspunkte berücksichtigen, um weitere Strukturbrüche zu vermeiden. Weitgehende Einigkeit besteht darin, dass die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung dahingehend geändert werden soll, dass zukünftig die zulässige Dauer zur Fixierung der Sauen im Kastenstand, im Deckzentrum und im Abferkelbereich deutlich reduziert werden soll. Das BMEL hat einen entsprechenden Verordnungsentwurf vorgelegt.

Weitere Schwerpunkte

Eine Vielzahl von Themen wird bearbeitet, geprüft und umgesetzt. Folgende Schwerpunkte sind noch zu nennen:

  • Weiterentwicklung der nationalen Nutztierstrategie
  • Aktivitäten zur Erforschung und Anwendung von Alternativmethoden zu Tierversuchen
  • Wildtier- und Exotenhaltung (Umsetzung der Empfehlungen der Studie "Haltung exotischer Tiere und Wildtiere in Privathand (Exopet)"
  • Überarbeitung verschiedener Gutachten und Leitlinien des BMEL
  • illegaler Welpenhandel
  • Umgang mit Nutztieren bei Tiertransporten
  • Entwicklung von Ställen für die Zukunft

Zum Herunterladen

Tierschutzbericht 2015 – 2018

Weitere Informationen

Alternativen zum Töten männlicher Küken

Staatliches Tierwohlkennzeichen

Männliche Küken sollen nicht mehr getötet werden, Quelle: K.-U- Häßler - adobe-stock.com
Durch viel Beschäftigungsmaterial wird der Schnabel natürlich abgewetzt, Quelle: BLE