Bild von einer Kuh

Mit einem Tierwohlcheck mehr Tierschutz für Legehennen umsetzen

In einer Beratungsinitiative wurde eine Software und verschiedene Materialien entwickelt, um Legehennenhalter zu unterstützen, damit der Einstieg in den Verzicht auf das Schnabelkürzen leichter fällt.

Wenn Tiere im Stall unter Stress geraten, dann kann es dazu führen, dass sie sich gegenseitig verletzen. Bei den Legehennen führen auch Langeweile und falsche Fütterung dazu, dass sie sich gegenseitig die Federn auspicken. Bisher wurden den Legehennen die Oberschnäbel gekürzt (das nennt man Kupieren), damit die Verletzungen nicht so schlimm ausfielen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) möchte die Nutztierhaltung in Deutschland so gestalten, dass auf das Kupieren verzichtet werden kann. Seit Anfang 2017 ist das Schnabelkürzen verboten. Deshalb hat das Bundesministerium im Rahmen der Initiative "Eine Frage der Haltung" eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Landwirte bei der Umsetzung zu unterstützen.

Wissen durch Beratung vermehren

Das BMEL unterstützt die Forschung, damit herausgefunden werden kann, welche Faktoren beispielsweise in der Legehennenhaltung zum "Federpicken" führen. Um die durch die Forschung gewonnenen Erkenntnisse zu testen, gibt es das BMEL-Projekt "Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz".

Landwirtschaftliche Betriebe erhalten Fördermittel, wenn sie dabei mitmachen, die Erkenntnisse aus der Forschung in der Praxis auszuprobieren. Dabei werden sie umfassend beraten, indem Tierberater zu ihnen kommen und mit ihnen die Gesundheit der Tiere prüfen und Probleme feststellen. Außerdem besuchen sich die teilnehmenden Praktiker auch gegenseitig, um ihre Erfahrungen auszutauschen.

Beurteilungskarten helfen bei der Beurteilung des Tierzustandes

Viele verschiedene Faktoren können dazu führen, dass bei der Haltung von Legehennen Federpicken oder Kannibalismus auftreten. Was am Ende tatsächlich dazu führt, kann in jedem Betrieb unterschiedlich sein. Dazu ist es hilfreich, erst einmal den Zustand der Tiergesundheit zu erfassen, damit anschließend geeignete Maßnahmen ergriffen werden können. An der Universität Kassel wird seit 2009 daran gearbeitet, Management-Hilfen zu entwickeln, um die Praktiker bei der Erfassung der einzelnen Faktoren zu unterstützen. Jahrzehntelange Forschung und die Erfahrungen in der ökologischen Hühnerhaltung sind Grundlage für die Entwicklung des Beratungsprogramms.

Dabei sind verschiedene Hilfsmittel entstanden, die Managementtool oder kurz MTool genannt werden. Kern ist ein Computerprogramm mit seinen Excel-Tabellen, dazu gibt es Beurteilungskarten und Auswertungshilfen. In den Beurteilungskarten gibt es viele Abbildungen und Beschreibungen beispielsweise zur Beurteilung und Entwicklung des Gefieders bei Küken und Junghennen.

Ungefähr 50 Legehennen sollen in Abständen von ein paar Wochen mit diesen Karten angeschaut werden. Am Ende gibt es ein Ampelsystem, das den Gesundheitszustand der Tiere angibt. Bei Rot besteht Handlungsbedarf. Wichtig an dieser Art von Beratung ist, dass die Halter viel besser informiert sind, wie der Gesundheitszustand in ihrem Betrieb aussieht. Es ist mehr Aufwand nötig, doch die Landwirte sind daran interessiert, dass es ihren Tieren gut geht. Und es hat zusätzlich einen wirtschaftlichen Aspekt, denn gesunde Tiere haben eine höhere Legeleistung.

Und nun gibt es auch eine App mit den Bewertungstabellen, damit kann der Landwirt seine Auswertung im Stall direkt auf dem Tablet eingeben.

Fragen und Anregungen

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Weitere Informationen

MuD Tierschutz: Etablierung eines Managementtools bei Legehennen

MuD-Tierschutz: Erfahrungsbericht "Beschäftigungsmaterial und Rückzugsmöglichkeiten bieten!"

Durch viel Beschäftigungsmaterial wird der Schnabel natürlich abgewetzt, Quelle: BLE
Mit den im Projekt entwickelten Beurteilungskarten erhalten Landwirte eine Anleitung zur Beurteilung des Tierzustandes, hier das Beispiel für Küken und Junghennen, Quelle: BLE