Bild von einer Kuh

Schlachten hochträchtiger Nutztiere per Gesetz verhindert

Ein Gesetz regelt, dass Säugetiere im letzten Drittel einer Trächtigkeit nicht mehr zur Schlachtung abgegeben werden dürfen.

Fallberichten ist zu entnehmen, dass auch in deutschen Schlachthöfen hochträchtige Tiere wie z. B. Rinder geschlachtet wurden. Die Schlachtung von hochträchtigen Tieren wird aus ethischer und insbesondere tierschutzfachlicher Sicht aber sehr kritisch gesehen. Die bisherigen gesetzlichen Regelungen sahen vor, dass Tiere im letzten Zehntel einer Trächtigkeit nicht mehr zum Schlachthof transportiert werden durften.

Über die Häufigkeit, mit der hochträchtige Tiere zur Schlachtung gelangen, und aus welchen Gründen dies geschieht, war bisher wenig bekannt. Aus diesem Grund hat das Bundeslandwirtschaftsministerium die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) um eine Stellungnahme gebeten, die auch auf die Leidensfähigkeit der ungeborenen Nachkommen eingehen sollte.

Hochträchtige Tiere dürfen nicht mehr zum Schlachten abgegeben werden

Der EFSA-Stellungnahme zufolge ist nicht auszuschließen, dass die Schlachtung eines Säugetiers, das sich im letzten Drittel einer Trächtigkeit befindet, bei den ungeborenen Föten Leiden versursacht. An diesem Punkt setzt die neue gesetzliche Regelung an, nach der die Abgabe von Säugetieren im letzten Drittel der Trächtigkeit zum Zweck der Schlachtung untersagt ist und mit Geldbuße geahndet werden kann.

Die europaweiten Häufigkeiten, mit der ausgewachsene weibliche Nutztiere im letzten Drittel einer Trächtigkeit geschlachtet werden, schätzt die EFSA wie folgt:

  • 3 Prozent der Milchkühe
  • 1,5 Prozent der Mastrinder
  • 0,5 Prozent der Schweine
  • 0,8 Prozent der Schafe
  • 0,2 Prozent der Ziegen

Die EFSA führt folgende Gründe für die Schlachtung von hochträchtigen Tieren auf:

  • Mangelnde Kontrolle der Fortpflanzung (vor allem bei Freilandhaltung)
  • Fehlende oder fehlerhafte Überprüfung der Trächtigkeit durch Landwirte
  • Unzureichende Aufzeichnungen oder Verlust von Informationen in der Handelskette
  • Erwägungen im Zusammenhang mit Tiergesundheit und Tierschutz
  • Vorteile bei der Haltung – beispielsweise seien trächtige Tiere in der Regel ruhiger als nicht tragende Tiere
  • Wirtschaftliche Notwendigkeit – beispielsweise der Verkauf von Tieren aus wirtschaftlichen Gründen

Ausnahme bei Schafen und Ziegen

Ausgenommen von der neuen Regelung zur Verhinderung der Schlachtung hochträchtiger Tiere sind zunächst Ziegen und Schafe. Deren Haltung unterscheidet sich stark von der Rinder- und Schweinehaltung. So werden Rinder und Schweine überwiegend künstlich besamt. Das heißt: In den meisten Fällen ist bekannt, ob die Tiere trächtig sind. Zudem sind Trächtigkeitsuntersuchungen per Ultraschall üblich.

Bei Schafen und Ziegen kann der Zeitpunkt der Besamung oft nicht genau bestimmt werden, weil männliche und weibliche Tiere - vor allem in extensiven Haltungsformen - über einen längeren Zeitraum hinweg in Herden gehalten werden. Trächtigkeitsuntersuchungen sind bei diesen Tieren zudem weniger verbreitet, so dass Hochträchtigkeiten nicht bekannt sind.

Vor diesem Hintergrund lässt das Bundeslandwirtschaftsministerium in einem eigenen deutschlandweiten Forschungsprojekt untersuchen, wie sich auch das Schlachten von hochträchtigen Schafen und Ziegen vermeiden lässt. Auf dieser Basis wird dann entschieden werden, ob Schafe und Ziegen ebenfalls von der Verbotsregelung erfasst werden sollten.

Weitere Informationen

Keine hochträchtigen Tiere schlachten

Schlachten hochträchtiger Tiere verboten

Veröffentlichung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) - Information in englischer Sprache

Das Schlachten hochträchtiger Nutztiere ist verboten, Quelle: Francisco - adobe.stock.com