Bild von einer Kuh

Schritte zu mehr Tierwohl: gute Beispiele in der Nutztierhaltung

Mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung lässt sich oft schon erreichen, wenn an einzelnen Stellschrauben im landwirtschaftlichen Betrieb gedreht wird.

Dazu zählen beispielsweise Veränderungen bei der Fütterung der Tiere, beim Stallklima oder bei der Beleuchtung.

Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt ausgewählte Betriebe, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Nutztierhaltung in der Praxis ausprobieren. Ziel ist es, die Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren zu verbessern. Im Praxistest sind unter anderem Maßnahmen, die den Tierhalterinnen und Tierhaltern helfen, das Risiko gegenseitiger Verletzungen der Tiere zu verringern, weniger Antibiotika einzusetzen oder die Hygiene im Stall zu verbessern.

Ausprobieren, vernetzen, weitersagen

Vernetzung, Austausch und Kommunikation von Landwirt zu Landwirt wird bei den Modell- und Demonstrationsvorhaben großgeschrieben, denn: Die guten Beispiele sollen Schule machen und möglichst viele Nachahmer finden. Daher sind die ausgewählten landwirtschaftlichen Betriebe in thematischen Netzwerken zusammengefasst, in denen regelmäßige Treffen stattfinden. Darüber hinaus informieren die Betriebe die Fachöffentlichkeit zum Beispiel bei Betriebsbesichtigungen oder in Fachveranstaltungen über ihre Arbeit für mehr Tierschutz im Stall.

Legehennen: gutes Beispiel aus Sachsen-Anhalt

Einer der Demobetriebe, die Maßnahmen zum Vermeiden des Federpickens in Legehennenherden in der Praxis testen, ist die Agrar GmbH Veckenstedt im Nordharz, Sachsen-Anhalt. Dort zieht Betriebsleiter Jörg Treziak 15.000 Junghennen mit ungekürzten (im Fachjargon heißt das: unkupierten) Schnäbeln in konventioneller Haltung auf. An diesem Teil des Bestandes demonstriert Treziak, dass die konventionelle Haltung von unkupierten Junghennen funktioniert, wenn das Drumherum stimmt. Dazu gehört, dass sich nur 15 statt 23 Tiere einen Quadratmeter im Stall teilen und die Tiere Beschäftigungsmaterial wie Picksteine und Sandbäder bekommen.

Das Wichtigste ist aber, die Tiere genau zu beobachten, und zwar jeden Tag. "Man muss sich mit der Tierbeobachtung auseinandersetzen, um kleinste Fehler zu entdecken und reagieren zu können", erklärt Treziak. So kann der Tierhalter erkennen, ob es in der Herde Stress gibt, weil das Stallklima nicht stimmt, das Licht zu hell oder das Futter nicht optimal ist. Mit solch kleinen Veränderungen im Stall lässt sich das Wohlbefinden der Tiere verbessern. Im Demostall von Jörg Treziak bedeutet das, dass er kaum noch Tiere durch Federpicken oder Kannibalismus verliert. Der Mehraufwand für die Aufzucht der unkupierten Junghennen hat aber seinen Preis, den die Verbraucherinnen und Verbraucher letztlich an der Ladentheke zahlen müssten.

Mehr dazu lesen im Bereich Blick in den Stall: Haltung von Legehennen mit unbehandeltem Schnabel

Schweine: gutes Beispiel aus Baden-Württemberg

Wichtig ist, dass bei den Schweinen keine Langeweile aufkommt. Landwirt Martin Stodal sorgt daher jeden Tag für reichlich Abwechslung in einem Teil seiner Ferkelhaltung: zum Beispiel mit Seilen und Holz zum Knabbern oder einer Spezialmischung aus gehäckseltem Stroh, Haferflocken und Urgesteinsmehl zum Wühlen. Stodal betreibt in der Nähe von Würzburg eine konventionelle Schweineaufzucht und -mast mit 250 Sauen, 1.500 Mastschweinen und 1.500 Ferkeln. Als Demonstrationsbetrieb hält er einige Ferkelgruppen mit unkupiertem Schwanz.

Anregungen für die erfolgreiche Haltung der unkupierten Ferkel bringt er von den Netzwerktreffen mit anderen Demonstrationsbetrieben mit: "Die Ideen bringen uns voran, weil sie aus der Praxis für die Praxis sind", so Stodal.

Was die Ferkel auch mögen: Der Stall ist in verschiedene Bereiche gegliedert, sozusagen in Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer und Toilette. Der Ruhebereich wird beispielsweise ganz einfach durch eine höhere Temperatur und weniger Licht vom Rest des Stalls abgegrenzt. Neben der Gestaltung des Stalls und vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten versucht der Landwirt, durch züchterische Maßnahmen das Risiko des gegenseitigen Schwanzbeißens in den Tiergruppen zu verringern. Dazu kreuzt er Eber der Rasse Duroc ein, die im Ruf stehen, sehr ruhig und ausgeglichen zu sein.

Sein Fazit als Teilnehmer an den Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz: "Wir haben gezeigt, dass wir mehr Tierwohl in den Stall bringen können." Und dann bringt er auf den Punkt, was viele Landwirte umtreibt: "Am Ende muss aber der Verbraucher bereit sein, mehr Geld zu zahlen."

Mehr dazu lesen im Bereich Blick in den Stall: Ferkel mit Langschwänzen auf einem konventionellen Schweinehaltungsbetrieb

Bundesprogramm "Nachhaltige Nutztierhaltung"

Mit einem finanziell gut ausgestatteten Bundesprogramm "Nachhaltige Nutztierhaltung" will das Bundeslandwirtschaftsministerium die Nutztierhaltung in Deutschland modern aufstellen. Mit dem Bundesprogramm werden "Ställe der Zukunft" entwickelt und unterstützt. Landwirten werden damit in Zukunft Alternativen für eine tierwohl- und umweltgerechtere Tierhaltung geboten. Ziel ist eine Nutztierhaltung, die von gesellschaftlicher Akzeptanz getragen wird.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat bereits eine Reihe von Maßnahmen in die Wege geleitet und umgesetzt. Dazu gehören verbesserte Haltungsstandards, erhebliche Forschungsanstrengungen, eine zielgerichtete Förderung und Vereinbarungen mit der Wirtschaft. Die Tierhaltung ist damit in den vergangenen Jahren unter Beteiligung von Wissenschaft, Forschung, Ausbildung und Beratung kontinuierlich weiterentwickelt worden.

Tierwohl ist eine Frage der Haltung – nicht nur in den Ställen, sondern auch in den Köpfen der Menschen. Informieren Sie sich umfassend hier auf dem Portal.

Weitere Informationen

Eine Strategie für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung

Zum Herunterladen: Broschüre Schritte zu mehr Tierwohl (PDF, 2 MB, barrierefrei)

Bei der Beschäftigung mit Picksteinen wetzen sich die Hennen automatisch die Schnäbel ab, Quelle: BLE
Jeden Tag interessante Beschäftigung ist ein Faktor, um Schwanzbeißen zu minimieren, Quelle: BLE