Bild von einer Kuh

Veränderungen in der Nutztierhaltung

Größere landwirtschaftliche Betriebe, zunehmende Digitalisierung: Die Landwirtschaft in Deutschland verändert sich sowie auch andere Wirtschaftszweige. Auch die Art der Haltung von Nutztieren, also die Bedingungen, unter denen Schweine, Rinder, Hühner und Puten leben, ist von zunehmender Bedeutung für Landwirtinnen und Landwirte sowie für die Verbraucherinnen und Verbraucher.

In der Diskussion um die Nutztierhaltung in Deutschland geht es unter anderem um die Beschaffenheit der Ställe oder die Gesundheit der Nutztiere. Verbesserungswürdige Kriterien können das Platzangebot im Stall, zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten oder das Stallklima sein.

Das Bundesprogramm Nutztierhaltung, das im Herbst 2018 ins Leben gerufen wurde, setzt hier an. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Nutztierhaltung in Deutschland weiterzuentwickeln und zu verbessern. In diesem Bundesprogramm werden Aktivitäten gebündelt, die zur Verbesserung des Tierwohls und zur Verminderung von Umweltauswirkungen beitragen. Beispielsweise sollen bauliche Umbaumaßnahmen in Projekten mit dem Titel „Ställe der Zukunft“ zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Nutztieren beitragen. Die Entwicklung von innovativen Ideen und Techniken sollen zügig auf den Weg und in die breite landwirtschaftliche Praxis gebracht werden. Dazu soll es sogenannte Tierwohl-Kompetenzzentren geben, die fachlichen Austausch, Beratung und Hilfestellung bei sämtlichen Fragen bieten sollen.

Wissenstransfer und Beratung

Bei der Umsetzung von neuen Erkenntnissen und Ergebnissen, die sowohl aus der landwirtschaftlichen Praxis als auch aus der Forschung kommen, in eine breite landwirtschaftliche Praxis spielen die Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz eine herausragende Bedeutung.

Mit den Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ausgewählte landwirtschaftliche Betriebe dabei, Erkenntnisse aus der Wissenschaft zur Nutztierhaltung auszuprobieren. Ziel ist es, gute und erfolgreiche Beispiele für mehr Tierwohl im Stall bekannt zu machen und dadurch in die Breite zu tragen, damit alle landwirtschaftlichen Betriebe davon erfahren und die getesteten Maßnahmen ebenso wie die Modellbetriebe umsetzen.

Intensiver Austausch zu mehr Tierwohl in der Schweinehaltung

Um über die neuesten Ergebnisse und Strategien für mehr Tierwohl in der Schweinehaltung zu diskutieren, sind am 19. September 2019 fast 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland nach Bonn gekommen.

Landwirtinnen und Landwirte berichteten über ihre Erfahrungen mit den Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz sowie über eigene Ideen und Konzepte, die zum Tierwohl beitragen und gleichzeitig den Betrieb ökonomisch weiterentwickeln. Die Ideen sind vielfältig: Balkone für mehr Bewegung und Versteckmöglichkeiten, Stroharena für tragende Sauen und Toilette am Fließband. Eine wesentliche Erkenntnis der Landwirte, die sich damit beschäftigt haben, Schweine mit langem Schwanz zu halten und diese nicht zu kürzen, ist, dass es machbar ist. Zu Beginn der Projekte hatte das noch keiner der Landwirte für umsetzbar gehalten. Allerdings zeigen die Erfahrungen, dass es viel Zeit, Wissen und Aufwand erfordert.

Mithilfe der intensiven Beratung in den MuD Tierschutz und der Förderung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium konnten die Landwirte Ideen ausprobieren und neue Wege gehen, die sonst in der Schublade liegen geblieben wären. Insbesondere die regelmäßigen Treffen der Landwirte untereinander mit denen, die an den gleichen Themen arbeiten, sind für alle ein besonderer Zugewinn. Die Landwirte schätzen den Austausch untereinander insbesondere, weil sich die Landwirte gegenseitig informieren, welche Maßnahmen gut gelaufen sind, sie geben sich aber auch ehrlicherweise die Hinweise weiter, wenn durchgeführte Maßnahmen nicht gelungen sind.

Alle Fortschritte in der Schweinehaltung müssen am Ende aber auch bezahlt werden. Mehr Platz im Stall, mehr Zeitaufwand, mehr Beschäftigungsmaterial sowie Umbaumaßnahmen und Änderungen der Struktur im Stall sind alles Kostenfaktoren, die die Landwirte tragen müssen. Um rentabel zu arbeiten, müssen diese Kosten zukünftig aber auch erwirtschaftet werden.

Weitere Informationen

Berichte aus der Praxis finden Sie im Bereich "Blick in den Stall", zur Schweinehaltung lesen Sie die folgenden Beiträge:

Ferkel mit Langschwänzen auf einem konventionellen Schweinehaltungsbetrieb

Ein Test zur Haltung von Sauen mit ihren Ferkeln in Gruppen

Ein intakter Schwanz sagt viel über das Wohlbefinden des Schweins aus, Quelle: BLE
Sauen und Ferkel werden auf einem Demonstrationsbetrieb in einer Gruppe gehalten, Quelle: BLE
Zusätzliche Einstreu sorgt für Abwechslung und Beschäftigung, Quelle: BLE