Bild von einer Kuh

Was stört die Gesellschaft an der Nutztierhaltung?

Und wie gehen Landwirtinnen und Landwirte mit dieser Kritik um und was muss getan werden, damit sich die Situation verbessert? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Wissenschaftler im Projekt "SocialLab - Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft" und untersuchten, wie Verbraucher, Landwirte und der Handel ticken.

Die landwirtschaftliche Tierhaltung wird in der Öffentlichkeit kritisch gesehen. Gesellschaftliche Vorstellungen, wie mit Tieren umzugehen sei, und die moderne landwirtschaftliche Praxis liegen häufig weit auseinander. Doch worauf legen die Verbraucherinnen und Verbraucher besonders viel Wert, welche Erwartungen haben sie an tierhaltende Betriebe? Und welche Rolle kann der Handel als Bindeglied zwischen Stall und Teller spielen?

In Gruppendiskussionen mit Verbrauchern stießen die Wissenschaftler auf Zielkonflikte: Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich nicht nur zwischen billigen und hochpreisigen, dafür tiergerecht produzierten Waren entscheiden. Auch zwischen Aspekten wie Tierwohl, Umweltschutz und Klimawirkungen gilt es, abzuwägen. So entspricht etwa der Freilandauslauf dem arteigenen Verhalten vieler Nutztiere, dies kann aber mit verstärkter Belastung von Böden und Grundwasser durch Urin und Kot einhergehen. Bei Befragungen zeigten sich oft Hilflosigkeit im Umgang mit sich widersprechenden Zielen und die Tendenz, diese Zielkonflikte zu verdrängen.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse von SocialLab: Der Wunsch nach mehr Tierwohl steht in der Bevölkerung weit oben – höher als Umweltziele, arbeitswirtschaftliche Ziele der Betriebe oder selbst Aspekte der Arbeitssicherheit. Das sind Bereiche, bei denen von der Landwirtschaft erwartet wird, innovative Lösungen zu finden.

Ergebnis einer Blindverkostung

Wie stark sich Erwartungen auf das subjektive Empfinden auswirken, wurde in einem Wahlversuch deutlich. Verbraucher sollten Kochschinken bewerten. Getestet wurden – jeweils vom gleichen Verarbeiter hergestellt – Kochschinken von Schweinen aus unterschiedlichen Haltungsbedingungen (konventionell, biologisch und zwei andere tiergerechte Haltungssysteme). Bei der Blindverkostung erhielten die Testpersonen die Schinkenproben zunächst ohne Kennzeichnung und konnten keine Unterschiede feststellen. Anschließend wurden den Probanden die Haltungssysteme erläutert und sie konnten noch einmal testen. Hierbei traten deutliche Unterschiede auf: Die Bio-Variante wurde am besten bewertet und die konventionelle am schlechtesten.

Welche Rolle spielt der Handel

Ob Innovationen in der Nutztierhaltung erfolgreich sind, wird am Ende nicht im Stall, sondern am Regal entschieden – über Top oder Flop entscheiden die Verbraucher. Dem Handel kommt hier eine wichtige und noch zu wenig berücksichtigte Rolle zu, denn er ist in der Lage, die oft nur latenten Präferenzen der Verbraucher zu steuern (zum Beispiel mit Bannern über dem Regal). Derzeit sieht sich der Handel allerdings meist als reiner Bereitsteller von Produkten. Mit den SocialLab-Ergebnissen zu den Präferenzen der Konsumenten wäre er in der Lage, die Verbraucher stärker an die Produkte heranzuführen, die ihren Vorstellungen am ehesten entsprechen.

Abschlussbericht vorgestellt

Am 13. März 2019 stellten die Wissenschaftler die Ergebnisse im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vor. Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, erklärte zu dem Projekt: "Die Forschungsergebnisse geben wertvolle Hinweise, was Verbraucher, Bürger aber auch Produzenten denken. Für unsere politische Arbeit können wir hieraus Handlungsempfehlungen ableiten. Denn gerade die Tierhaltung ist geprägt von Missverständnissen und ungeklärten Fragestellungen."

Weitere Informationen

Thünen-Institut, SocialLab – Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft

BMEL, SocialLab – Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft

Im Schweinestall: Ferkel bei der Fütterung, Quelle: BLE