Bild von einer Kuh

Wie kann das Tierwohl im Schweinestall verbessert werden?

Die Beobachtung der natürlichen Verhaltensweisen von Schweinen versetzt den Tierarzt Dr. Kees Scheepens in die Lage, Schweinehalter in Deutschland und den Niederlanden zu beraten und Empfehlungen zu geben. Seit 33 Jahren ist er in der Beratung zur Optimierung von Ställen tätig und er ist als sogenannter "Schweineflüsterer" bekannt. Er selber hält In der niederländischen Provinz Brabant rund 50 Schweine in ökologischer Freilandhaltung.

In einem Interview mit der Redaktion der Informationsplattform oekolandbau.de hat er zu Besonderheiten der Schweine Auskunft gegeben. Dabei waren Themen wie das Erkundungsverhalten und das Hygieneverhalten der Schweine im Mittelpunkt.

Schweine sind von Natur aus saubere Tiere

Was viele Verbraucherinnen und Verbraucher sicher gar nicht vermuten, ist, dass Schweine von Natur aus sehr hygienische, saubere Tiere sind. Sie versuchen zum Beispiel, möglichst weit weg vom eigenen Nest zu koten und zu urinieren. Dr. Scheepens hat eine Art Schweinetoilette für die Stallhaltung mit zwei getrennten Bereichen entwickelt, einmal fürs Pinkeln, einmal für das Abkoten. Über ein Belohnungssystem lernten die Tiere in wenigen Tagen, was in welcher Box zu tun ist. Der Vorteil: Keine Ammoniakentwicklung, saubere Tiere und die Möglichkeit, Urin und Kot getrennt zu sammeln und getrennt als Wirtschaftsdünger auszubringen.

Auf die Frage, welches Problem in den Ställen am häufigsten auftritt, antwortete er, dass es die Wasserversorgung sei. Er sagte: "Die stimmt fast nie, auch nicht auf vielen Top-Betrieben. Fast immer gibt es zu wenig Nippeltränken und die Durchflussrate der vorhandenen Tränken ist viel zu gering. Die Tiere müssen sich unglaublich anstrengen und bekommen meist doch zu wenig Wasser. Das hat oft Schwanzbeißen zur Folge, da die Tiere ihren Frust an anderen Tieren auslassen."

Den Stall so flexibel wie möglich gestalten

Auch die Frage der höheren Kosten für mehr Tierwohl wurde besprochen. Stroh, Außenbereiche, Verzicht auf Spaltenboden – all das macht die Haltung von Schweinen teurer. Aber, so Dr. Scheepens, es lohnt sich, In Tierwohl zu investieren, es bringt vor allem mehr Gesundheit. In einer optimalen Umgebung sind Schweine weniger anfällig und müssen viel seltener behandelt werden.

Für den Neubau von Ställen empfiehlt Dr. Scheepens, möglichst flexibel handeln zu können. Beim Bau müsse natürlich für eine feste Hülle gesorgt werden, aber im Inneren solle alles so flexibel wie möglich gestaltet werden. Das Ziel muss sein, später mit möglichst wenig Geld und Aufwand Anpassungen vornehmen zu können, die das Tierwohl verbessern.

Lesen Sie das vollständige Interview

Oekolandbau.de: Interview mit Tierarzt und Spezialist für das natürliche Verhalten von Schweinen Dr. Kees Scheepens

Schweine sind zufrieden, sie haben gefressen und sich gesuhlt, Quelle: BLE