Bild von einer Kuh

Zweinutzungshuhn - Forschung für mehr Tierwohl

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) untersuchten gemeinsam mit Partnern anderer Einrichtungen in einem Verbund die Haltung von Zweinutzungshühnern, die sowohl für die Eierproduktion als auch für die Fleischerzeugung genutzt werden können.

2015 übergab die damalige Parlamentarische Staatssekretärin des Bundeslandwirtschaftsministeriums Dr. Flachsbarth den Förderbescheid im Rahmen der Tierwohl-Initiative "Eine Frage der Haltung" zum Start des Projektes mit dem Titel "Integhof". Das Ziel des Projektes war, für die Ei- und die Fleischgewinnung nicht unterschiedliche auf die jeweilige Nutzungsart spezialisierte Hühnerlinien einzusetzen, sondern ein sogenanntes "Zweinutzungshuhn". Die Hennen des Zweinutzungshuhns der Linie "Lohmann Dual" wurden für die Eierzeugung genutzt und die Hähne für die Fleischgewinnung.

Das Töten der männlichen Küken der Legehennenlinien kann so vermieden werden. Weiterhin zielt dieses ganzheitliche Konzept darauf ab, das Tierwohl zu verbessern, indem der Stress für die Tiere reduziert und die Leistung entschleunigt wird.

Über 3,5 Jahre untersuchten die Forscherinnen und Forscher experimentell aber auch feldnah auf dem Lehr- und Forschungsgut Ruthe der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) diesen neuen Weg für die Geflügelhaltung. Nun präsentierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ergebnisse.

Wie viele Eier legen Zweinutzungshennen?

Im Vergleich zu den spezialisierten Legehennen legen die Zweinutzungshennen durchschnittlich etwa 50 Eier weniger im Jahr. Die Hennen der konventionellen Legehennenlinien legen im Jahr um die 300 Eier.

Haben die Eier eine andere Qualität?

Im Projektverlauf wurden 3.000 Eier untersucht. Es gab zwar Unterschiede, die waren aber insgesamt sehr gering.

Wie lange müssen Zweinutzungshähne gemästet werden?

Die Zweinutzungshähne müssen im Vergleich zu konventionellen Mastlinien etwa doppelt so lange gehalten werden, um mit dem gleichen Gewicht in die Schlachtung zu gehen. Die Zweinutzungshähne wachsen langsamer und müssen entsprechend länger gemästet werden. Konventionelle Mastlinien werden im Schnitt um die 32 Tage gemästet. Wenn sie geschlachtet werden, wiegen sie etwa zwei Kilogramm.

Aus der Sicht des Tierschutzes

Im Projektverlauf konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutliche Unterschiede im Verhalten der Hennen und Hähne feststellen. Insgesamt waren die Zweinutzungshühner deutlich ruhiger und einfacher im Umgang als die Vergleichstiere einer konventionellen Legehennenlinie. Die Hähne der Zweinutzungslinie waren deutlich mobiler als die zum Vergleich herangezogenen Masthühner einer konventionellen Rasse.

Die Hennen der Zweinutzungslinie hatten bis zum Ende der jeweiligen Legeperiode ein nahezu intaktes Gefieder. Die Tiere der Vergleichslinie zeigten zum Teil erhebliche Federverluste an unterschiedlichen Körperregionen. Diese Federverluste waren bei den hochleistenden Vergleichshühnern auf das Federpicken zurückzuführen.

Und was sagen Verbraucherinnen und Verbraucher?

In einer deutschlandweiten Online-Befragung von SocialLab des Thünen-Instituts in Braunschweig wurden 1.500 Verbraucherinnen und Verbraucher befragt. Etwa 25 Prozent der Befragten äußerten, dass sie bereit wären, für die Eier mehr Geld auszugeben. Etwa 16 Prozent erklären, dass sie sich vorstellen können, das Hähnchenbrustfleisch des Zweinutzungshuhns zu kaufen. Die Vermarktung der Eier wird vermutlich einfacher sein als die des Fleisches.

Das Projekt und die Projektpartner

Der vollständige Titel des Projektes lautet: "Integhof – Geflügelhaltung neu strukturiert: Integration von Mast und Eierproduktion bei Einsatz des Zweinutzungshuhns als Maßnahme zum Tierschutz". Das Integhof-Projekt lief von August 2015 bis März 2019 und wurde aus den Mitteln des Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank sowie ergänzend durch unterschiedliche Industriepartner gefördert. Ziel der beteiligten Forschungseinrichtungen war es, Alternativen für verschiedene Problembereiche der landwirtschaftlichen Hühnerhaltung zu entwickeln, die das Tierwohl und die Tiergesundheit weiter in den Mittelpunkt rücken, wirtschaftlich vertretbar sind, gesunde Lebensmittel liefern und zu einer verbesserten Verbraucherakzeptanz führen.

Die am Projekt beteiligten Partner waren: Freie Universität Berlin, Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts in Celle, Georg-August-Universität Göttingen, Universität Hohenheim, Leibniz-Institut für Nutztierbiologie, Boehringer Ingelheim Veterinary Research Center, Lohmann Tierzucht, Big Dutchman, SocialLab Deutschland.

Weitere Informationen

Alternativen zum Töten männlicher Küken

Die Hennen des Zweinutzungshuhns legen durchschnittlich 50 Eier im Jahr weniger als Hennen aus konventionellen Legehennenlinien, das muss sich im Preis niederschlagen, Quelle: Tierärztliche Hochschule Hannover