Bild von einer Kuh

Keine hochtrĂ€chtigen Tiere schlachten, keine mĂ€nnlichen KĂŒken töten

Immer wieder kommt es vor, dass in deutschen Schlachthöfen hochtrÀchtige Tiere, zum Beispiel Rinder, geschlachtet werden. Dies ist aus der Sicht des Tierschutzes und ethisch nicht akzeptabel.

Ein weiteres Problem: Derzeit werden in Deutschland jĂ€hrlich rund 45 Millionen mĂ€nnlicher KĂŒken getötet, denn bei der Erzeugung von Legehennen hat die GeflĂŒgelwirtschaft keine Verwendung fĂŒr die mĂ€nnlichen KĂŒken. Diese Praxis will das Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft (BMEL) durch die frĂŒhzeitige Bestimmung des Geschlechts der sich im Ei entwickelnden KĂŒken beenden.

Was ist konkret geplant?

Seit dem 1. Juli 2017 ist in Deutschland das Schlachten hochtrĂ€chtiger Tiere außer in absoluten AusnahmefĂ€llen wie Nottötungen verboten.

Wie viele hochtrĂ€chtige Tiere in Deutschland geschlachtet werden und warum dies genau geschieht, ist Thema des durch das BMEL geförderten Forschungsprojekts "SiGN" (Schlachtung gravider Nutztiere). Daran beteiligt sind die Hochschule fĂŒr Angewandte Wissenschaften Hamburg und das Institut fĂŒr Lebensmittelhygiene der UniversitĂ€t Leipzig. Das Projekt "SiGN" berĂŒcksichtigt alle zur Schlachtung kommenden weiblichen Nutztiere, also neben KĂŒhen und Sauen auch kleine WiederkĂ€uer und Stuten. Die Forscher erarbeiten mögliche Maßnahmen zur EinschrĂ€nkung des Schlachtens hochtrĂ€chtiger Tiere und weitere Handlungsempfehlungen.

Bei der frĂŒhzeitigen Geschlechtsbestimmung im Ei soll ein bereits erfolgreich entwickeltes Verfahren in die breite Praxis ĂŒbertragen werden. Diesen Prozess begleitet das BMEL aktiv. Es setzt sich fĂŒr ein rasches Ende dieser Tötungspraxis ein.

Was ist bisher passiert?

Bundestag und Bundesrat haben 2017 einem Gesetz zugestimmt, das das Schlachten hochtrĂ€chtiger SĂ€ugetiere verhindert. Im letzten Drittel einer TrĂ€chtigkeit dĂŒrfen SĂ€ugetiere nun nicht mehr zur Schlachtung abgegeben werden.

Im Februar 2015 hat das Forschungsprojekt "SiGN" mit seiner Arbeit begonnen. Parallel dazu fordert die Bundesregierung weiterhin, dass sich die EuropĂ€ische Kommission dieses Problems annimmt. Die Praxis, hochtrĂ€chtige Tiere zu schlachten, muss so schnell wie möglich europaweit unterbunden werden. Das BMEL hat außerdem gemeinsam mit den Niederlanden, DĂ€nemark und Schweden veranlasst, dass sich die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit mit der Thematik befasst.

Das BMEL fördert seit Jahren die Weiterentwicklung der "In Ovo-Geschlechtsbestimmung", also die Geschlechtsbestimmung im HĂŒhnerei. Hier kommen zwei unterschiedliche Verfahren in Frage, die die Geschlechtsbestimmung im Ei zweifelsfrei beherrschen. Das Geschlecht wird mit der notwendigen Genauigkeit im Ei erkannt und aus den ausgebrĂŒteten Eiern schlĂŒpfen gesunde Legehennen. Das System erkennt auch unbefruchtete oder nicht entwicklungsfĂ€hige Bruteier. Sie dienen wie die mĂ€nnlichen Eier als wertvoller Rohstoff fĂŒr verschiedene industrielle Anwendungen.

Wie geht es weiter?

Das BMEL prĂŒft rechtliche Maßnahmen, damit nach Möglichkeit keine hochtrĂ€chtigen Tiere am Schlachthof ankommen. Das Forschungsprojekt "SiGN" wird nach Projektabschluss konkrete Ergebnisse und Handlungsempfehlungen zur Frage der Tötung hochtrĂ€chtiger Tiere vorlegen. Auch auf europĂ€ischer Ebene werden die BemĂŒhungen fortgesetzt.

Bei der Geschlechtsbestimmung in HĂŒhnereiern liegt der Fokus im nĂ€chsten Schritt auf der Optimierung und Automatisierung der GerĂ€te unter Praxisbedingungen, damit sie fĂŒr den breiten Einsatz in den BrĂŒtereien geeignet sind. Auch diese Phase begleitet das BMEL intensiv. Es wird an einem Prototypen fĂŒr ein GerĂ€t gearbeitet, mit dem das Geschlecht im nur wenige Tage bebrĂŒteten Ei bestimmt wird und das die Eier automatisch entsprechend sortiert. Anschließend sollen die Unternehmen in die serienmĂ€ĂŸige Entwicklung der GerĂ€te investieren und diese nach und nach einsetzen.

Rind auf Weide
Das Schlachten hochtrÀchtiger Nutztiere ist verboten, Quelle: Francisco - adobe.stock.com