Bild von einer Kuh

Forschung für mehr Tierwohl stärken

Um die Haltungsbedingungen für Tiere verbessern zu können, ist es wichtig, deren natürliche Bedürfnisse zu berücksichtigen. Entscheidend ist es, herauszufinden, welche Faktoren besonders relevant sind, damit sich Tiere wohl fühlen und wie man Tierwohl erkennen oder gar messen kann.  

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert die Forschung in diesem Bereich, damit Tierschutz-Maßnahmen auf einer wissenschaftlichen Basis und zielgerichtet erfolgen. Dabei stehen beispielsweise folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie lässt sich erkennen, dass es einem Huhn gut geht? Warum treten Aggressionen zwischen Schweinen auf? Was ist ein für die Tiere attraktives Beschäftigungsmaterial? Welche besonderen Anforderungen können einem Tierschutz-Label zu Grunde gelegt werden?

Was ist konkret geplant?

Im Bereich der Nutztierhaltung werden Projekte unter anderem mit Bezug auf Tiergesundheit, tierschutzgerechte Haltungssysteme, Verbesserung des Wohlbefindens landwirtschaftlicher Nutztiere, Entwicklung von Tierschutz-Indikatoren, genetische Vielfalt, Zweinutzungsrassen, schonende Verfahren der Betäubung vor der Schlachtung und Verzicht auf nicht-kurative Eingriffe gefördert.

So hatte das BMEL zuletzt beispielsweise Forschungsmittel für Projekte ausgeschrieben, in denen sogenannte Tierwohl-Indikatoren entwickelt werden. Darunter versteht man objektive Kriterien, mit denen das Tierwohl in einem Betrieb oder in Bezug auf ein individuelles Tier beurteilt werden kann.

Damit die Ergebnisse aus Forschungsprojekten auch tatsächlich Eingang in die Praxis finden, hat das BMEL die „Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierwohl“ ins Leben gerufen. In landwirtschaftlichen Betrieben, sogenannten Demonstrationsbetrieben, werden innovative Verfahren und Techniken zur Haltung der Tiere erprobt. Im Rahmen dieser Vorhaben geben zum Beispiel qualifizierte Beraterinnen und Berater interessierten Landwirten für ihre Betriebe individuell zugeschnittene Empfehlungen, wie sie den Tierschutz verbessern können. Kern der MuD ist jedoch, ein Netzwerk von bis zu 120 Demonstrationsbetrieben aufzubauen, das aus einzelnen Themennetzwerken besteht. Die Ergebnisse aus den einzelnen Vorhaben sollen Vorbildcharakter für einen größeren Kreis von landwirtschaftlichen Betrieben haben.

Was ist bisher passiert?

Eine Vielzahl von Forschungsprojekten wurde erfolgreich abgeschlossen. Unter anderem ist die Forschung zur Entwicklung eines Verfahrens zur frühzeitigen Geschlechtsbestimmung im befruchteten Hühnerei weit fortgeschritten. Mit dem Verfahren soll in absehbarer Zeit das Töten von Eintagsküken beendet werden.

Inzwischen gibt es 15 "MuD Tierschutz"-Netzwerke, beispielsweise zu den Themenkomplexen Verzicht auf Schwänzekupieren beim Schwein und Verzicht auf Schnabelkupieren bei Legehennen. Dabei befassen sich die Netzwerke mit Maßnahmen im Aufzuchtbereich, sowie mit Maßnahmen während der Mast- und der Legephase. Wenn Schweine unter Krankheiten oder Stress leiden, neigen sie dazu, ihren Artgenossen in den Schwanz zu beißen und teilweise erhebliche Verletzungen zuzufügen Doch wie können die Landwirte rechtzeitig Signale der Ferkel erkennen, die dem sogenannten Schwanzbeißen vorangehen? Die Netzwerke veranstalten Treffen und organisieren gegenseitige Besuche, um sich zu den Themen auszutauschen und sich gegenseitig über ihre Maßnahmen und Ergebnisse zu informieren.

Doch wie lässt sich das Tierwohl in den Nutztierställen messen? Um diese Frage in Zukunft besser beantworten zu können, zumindest für die Haltung von Schweinen, werden im Projekt "MulTiVis" Tierwohl-Indikatoren entwickelt und daraus Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet. Das BMEL fördert das Projekt im Rahmen seiner Initiative "Eine Frage der Haltung. Neue Wege für mehr Tierwohl" mit rund 700.000 Euro.

In einem ersten Schritt werden in 200 Betrieben, die Schweine halten, und in 10 Schlachthöfen bestehende Tierwohl-Indikatoren ausgewertet und neue Indikatoren entwickelt. Dazu werden beispielsweise biologische und ökonomische Daten der Betriebe ermittelt, der Tierwohl-Status an lebenden Tieren bestimmt und Daten zu Organbefunden auf den Schlachthöfen herangezogen. Die ermittelten Daten werden aufbereitet und statistisch ausgewertet. Abschließend folgt der Praxistest der abgeleiteten Indikatoren in den teilnehmenden Betrieben.

Wie geht es weiter?

Das BMEL unterstützt auch weiterhin Forschungsaktivitäten im Bereich der Tierhaltung. Weitere "MuD Tierschutz"-Netzwerke sind im Aufbau, so etwa zu den Themen "Automatisierung von Beschäftigung bei Küken und Legehennen" und "Einsatz von Automatisierungstechniken in der Ferkelaufzucht und Schweinemast".




Quelle: Jenoche / Shutterstock.com