Bild von einer Kuh

Das staatliche Tierwohlkennzeichen

Das Thema Tierwohl ist in der Öffentlichkeit ein Dauerthema. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher möchten wissen, woher die Tiere stammen, deren Produkte sie essen. Viele möchten, dass die Tiere ein gutes Leben hatten und beim Schlachten nicht leiden mussten. Bisher ist es nicht immer so einfach, dies herauszufinden. Um mehr Transparenz zu erzeugen, soll eine staatliche Tierwohlkennzeichnung eingeführt werden.

Im Koalitionsvertrag vom 14. März 2018 wurde die Schaffung einer Tierwohlkennzeichnung bis zur Mitte der Legislaturperiode vereinbart: "Die Erkennbarkeit von tierischen Lebensmitteln, die über die gesetzlichen Vorgaben der Haltung hinausgehen, wollen wir verlässlich, einfach und verbraucherfreundlich gestalten. Dazu brauchen wir den mehrstufigen Aufbau einer staatlichen Kennzeichnung anhand verbindlicher Kriterien für Fleisch aus besserer Tierhaltung (Tierwohllabel)."

Tierwohlkriterien für die Schweinehaltung

Zunächst wurden Kriterien für mehr Tierschutz in der Haltung von Schweinen festgelegt. Die Anforderungen für die staatliche Tierwohlkennzeichnung sollen deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen.

Die Anforderungen umfassen den Platz für die Tiere, Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere, die Strukturierung der Buchten, die Tiergesundheit und die Dauer von Tiertransporten. Die Kriterien beziehen sich also nicht einseitig auf die Haltungssysteme, auch steht nicht allein die Tiergesundheit im Vordergrund. Das ganze Leben der Tiere wird betrachtet: von der Geburt bis zur Schlachtung.

Das staatliche Tierwohlkennzeichen wird drei qualitativ aufeinander aufbauende Stufen haben.

Beispiele für Kriterien, die für Verbesserungen in der Tierhaltung sorgen, sind beispielsweise

  • Mehr Platz im Stall: Schweine sind gesellige Tiere, die vorzugsweise in Gruppen leben und Hierarchien aufbauen. Ein größeres Platzangebot bietet den Tieren die Möglichkeit, natürliche Verhaltensweisen – wie beispielsweise Spiel- und Erkundungsverhalten – besser auszuleben.
  • Mehr Beschäftigung und Raufutter: Wenn die Tiere beschäftigt sind, benutzen sie seltener den Schwanz der anderen Tiere als Beschäftigungsmaterial und es kommt weniger zum sogenannten "Schwanzbeißen".
  • Stärkere Strukturierung im Stall: Eine gute Strukturierung der Bucht führt dazu, dass die Schweine genau wissen, wo sie zur Ruhe kommen oder schlafen können, in anderen Bereichen können sie ihr Kotverhalten ausleben, fressen oder spielen.
  • Die Eingangsstufe schreibt eine jährliche Fortbildung der Tierhalter zu Tierschutzthemen vor.

Wo stehen wir aktuell?

Das staatliche Tierwohlkennzeichen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist derzeit in Vorbereitung. Sobald die rechtlichen Voraussetzungen für das dreistufige, freiwillige Kennzeichen geschaffen sind, können Landwirte damit beginnen, ihre Betriebe auf eine Tierhaltung nach Kriterien des Tierwohlkennzeichens umzustellen.

Zu den Voraussetzungen gehören unter anderem der Erlass eines Gesetzes und die Schaffung der Voraussetzung für die Förderung der teilnehmenden Landwirte. Am 4. September 2019 hat das Bundeskabinett das Tierwohlkennzeichengesetz beschlossen.

Die Kriterien für Schweine hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner berits am 6. Februar 2019 im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.

Tierwohlkennzeichen ist freiwillig

Bundesministerin Klöckner erklärt, warum das Tierwohlkennzeichen nicht verpflichtend für alle ist: "Weil das Kennzeichen dem Verbraucher ein Mehr an Tierwohl anzeigen soll, denn die Anforderungen liegen über den gesetzlichen Mindeststandards.

Das staatliche Tierwohlkennzeichen ist mehr als ein reines Haltungskennzeichen. Wir zeichnen nicht bereits Produkte aus, die lediglich den gesetzlichen Mindeststandard erfüllen. Das Tierwohlkennzeichen soll dem Verbraucher aber auf den ersten Blick vermitteln: Hier handelt es sich um ein Produkt, in dem ein Mehr an Tierwohl zur Grundlage liegt. Man belobigt auch keinen Autofahrer, der an einer roten Ampel und sich damit einfach an die Verkehrsregeln hält.

Verbraucher wollen aber nicht wissen, ob sich jemand an die gesetzlichen Mindestanforderungen gehalten hat, was selbstverständlich sein sollte und keines besonderen Labels bedarf. Verbraucher wollen wissen, wo mehr Tierwohl drinsteckt, sie wollen das beim Einkauf auch erkennen können. Deshalb dürfen nur diejenigen mit dem staatlichen Tierwohlkennzeichen werben, die verpflichtend und überprüfbar höhere Kriterien von der Geburt bis zur Schlachtung des Tieres eingehalten haben. Im Übrigen ist auch das Bio-Siegel freiwillig und nicht verpflichtend und bis heute ein Erfolg."

Das Gesetz und die Kriterien zum Herunterladen

Das Tierwohlkennzeichengesetz

Das staatliche Tierwohlkennzeichen für Schweine: Alle Kriterien im Überblick

Das staatliche Tierwohlkennzeichen für Schweine: Grafische Darstellungen der Kriterien

Kriterien im Überblick

Infografik zum staatlichen Tierwohlkennzeichen
Am 6. Februar 2019 hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Kriterien für das staatliche Tierwohlkennzeichen vorgestellt
Ein Ferkel reckt den Kopf, um mit einem Seil zu spielen
Das staatliche Tierwohlkennzeichen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist derzeit in Vorbereitung. Sobald die rechtlichen Voraussetzungen für das dreistufige, freiwillige Kennzeichen geschaffen sind, können Landwirtinnen und Landwirte damit beginnen, ihre Betriebe auf eine Tierhaltung nach Kriterien des Tierwohlkennzeichens umzustellen, Quelle: BLE
Infografik zu mehr Platz und Struktur im Stall
Bereits in der ersten Stufe: mindestens 20 Prozent mehr Platz für die Tiere
Infografik: Keine Langeweile im Stall
In allen drei Stufen des staatlichen Tierwohlkennzeichens müssen Tierhalterinnen und Tierhalter Raufutter und organisches Beschäftigungsmaterial zum Kauen, Wühlen und Fressen anbieten