Bild von einer Kuh

Haltung von Legehennen mit unbehandeltem Schnabel: Blick in einen Modellstall

Wie das Federpicken bei der Haltung von Legehennen mit unkupierten Schnäbeln minimiert werden kann, das zeigt Jörg Treziak der Agrar Veckenstedt GmbH in Sachsen-Anhalt. Der gelernte Landwirt ist Betriebsleiter und verantwortlich für über 100.000 Junghennen. Diese zieht er im Lohn für verschiedene Kunden auf.

In den Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz haben sich Legehennenhalter auf die Haltung von Hennen mit unkupiertem Schnabel vorbereitet. Mit welchen Maßnahmen die Gefahr des Federpickens auch bei unbehandelten Herden verringert werden kann, hat die Agrargenossenschaft Veckenstedt im Projekt ausprobiert.

15.000 seiner Tiere zieht Jörg Treziak im Rahmen der MuD Tierschutz auf. Die Hennen in seinem Modellstall haben immer etwas zu tun.

Hennen wetzen sich die Schnäbel an Picksteinen ab

Die Erfahrungen zum Beschäftigungsmaterial mit zum Beispiel Picksteinen sind gut. Bei den Junghennen kann der Landwirt einen abgearbeiteten beziehungsweise abgewetzten Schnabel feststellen, das heißt, dass die Tiere sich mit den Picksteinen beschäftigt haben. Falls es trotz der Maßnahmen zu Federpicken kommen sollte, treten weniger Verletzungen auf.

Der Landwirt erläutert: "Wir stellen es ihnen gerne zur Verfügung, weil sie es brauchen. Man sieht es auch, sie beschäftigen sich damit. Und wir denken, dass die Tiere dadurch auch weniger Federpicken."

Treziak trifft sich regelmäßig mit Kollegen auf Netzwerktreffen. Hier tauschen sich die Hühnerhalter, die an dem MuD-Projekt teilnehmen, aus und sprechen über ihre persönlichen Erfahrungen. Der Landwirt ist sehr froh über den Erfahrungsaustausch: "Der Austausch mit andern Netzwerkteilnehmern war für uns sehr wichtig. Andere Betriebe machen das vielleicht anders. Man lernt neue Maßnahmen kennen, neue Methoden, wie man mit Hühnern umgeht."

Neu ist das regelmäßige Beobachten im Stall

Um rechtzeitig Veränderungen im Verhalten der Tiere zu erkennen, ist es wichtig, die Tiere regelmäßig und intensiv zu beobachten.

Die Meinung des Landwirts dazu: "Tierbeobachtung ist für uns unabkömmlich, kann man sagen, man muss sich damit auseinandersetzen, um so die kleinsten Fehler zu erkennen und dann reagieren zu können. Beim Einzeltier kann es losgehen und es kann sich dann auf die Herde auswirken und man kann es dann eventuell nicht mehr korrigieren."

Radios gegen den Stress

Es werden auch ungewöhnliche Methoden eingesetzt, um die Legehennen stressresistenter zu machen. Radios sollen durch die verschiedenen Töne und Lautstärken dafür sorgen, dass die Tiere ausgeglichener und ruhiger werden. Der Landwirt kann auch bei dieser Maßnahme einen Erfolg verbuchen.

Die wichtigsten Faktoren im Kampf gegen das Federpicken

Durch die Reduktion der Besatzdichte von 23 auf 15 Tiere pro Quadratmeter nehmen die Tiere besser zu und es ist mehr Ruhe im Stall.

Wichtig ist, dass das Stallklima passt. Dieses muss der Herde und den Tieren angepasst sein. Das Licht darf nicht flackern, und zu hell darf es im Stall auch nicht sein. Das Futter muss homogen sein. Diese Faktoren müssen täglich kontrolliert werden.

Hilfen bei der Beurteilung der Tiergesundheit

Im Rahmen der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz wurde eine Software und verschiedene Materialien entwickelt, um Legehennenhalter zu unterstützen, alle einzelnen Faktoren der Tiere in der Herde zu erfassen. Tierschutzberater unterstützen die Landwirte dabei, die Tiere zu beurteilen. Dazu können Sie noch mehr in dem Beitrag "Mit einem Tierwohlcheck mehr Tierschutz für Legehennen umsetzen" auf diesem Portal lesen.

Veränderungen für mehr Tierwohl sind teurer

Das Beispiel von Jörg Treziak zeigt, dass das Halten von unkupierten Junghennen in der konventionellen Hennenhaltung möglich ist. Treziak hat seit Monaten kaum noch Verluste durch Federpicken. Auch kleine Veränderungen im Stall haben positive Auswirkungen auf das Tierwohl. Das zum Beispiel zeigt aber auch: Eine solche Tierhaltung ist teurer.

Durch mehr Beschäftigungsmaterial und höheren Zeitaufwand steigen die Kosten. Für die Junghennen müsste der Landwirt daher mehr Geld bekommen. Bisher wurden diese Mehrkosten für eine tiergerechtere Haltung der Hennen durch Projektgelder der Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz ausgeglichen. Das ist aber keine Dauerlösung. Die Kosten müssten vom Handel bzw. vom Verbraucher gezahlt werden.

Film über den Betrieb

Im Rahmen der MuD Tierschutz wurde ein Film über den Betrieb erstellt, den Sie im YouTube-Kanal des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) anschauen können.

Zum Video: Minimierung von Federpicken bei Junghennen mit unkupiertem Schnabel

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Schauen Sie den Film

Titelbild des Videos mit einer Henne und dem Titel des Films
Titelbild des Films "Minimierung von Federpicken bei Junghennen mit unkupiertem Schnabel", Quelle: BLE
Junghennen um und auf einem Pickstein
Bei der Beschäftigung mit Picksteinen wetzen sich die Hennen automatisch die Schnäbel ab, Quelle: BLE
mehrere junge Hennen im Stall
Regelmäßiges und intensives Beobachten der Junghennen ist wichtig, um Stress in der Herde zu vermeiden, Quelle: BLE
Großaufnahme eines Hennenkopfes
Ein abgewetzter Schnabel verursacht weniger schwere Verletzungen, falls es doch mal zum Federpicken kommt, Quelle: BLE