Bild von einer Kuh

Hühnerleben und Tierwohl

Hühner liefern Eier und Fleisch für die menschliche Ernährung. Doch wie leben die Tiere und was wird für mehr Tierschutz getan?

Die meisten Legehennen in Deutschland leben in Bodenhaltung (65 Prozent, Zahlen aus 2017), meist zu Zehntausenden in Volieren mit mehreren offenen Etagen. In einer Einstreu aus Stroh oder Hobelspänen können sie scharren, picken und im Staub baden. In der Freilandhaltung haben die Hennen zusätzlich Auslauf ins Freie. Rund 16 Prozent der Legehennen werden so gehalten. 11 Prozent leben in ökologischer Haltung. Die Zahl der Legehennen, die in der sogenannten Kleingruppenhaltung in Gruppen von bis zu etwa 65 Tieren in ausgestalteten Volieren mit Sitzstangen, Legenestern und Scharrbereich leben, sank auf 8 Prozent. Diese Haltungsform ist noch bis 2025 erlaubt.

Bei Masthühnern herrscht Bodenhaltung in großen Beständen vor. Es werden auf hohe Gewichtszunahme und gute Futterverwertung spezialisierte Tiere eingesetzt.

Keine Schnabelbehandlung mehr

Nicht immer geht es im Hühnerstall friedlich zu. Die Rangordnung der Tiere wird durch Hacken mit dem Schnabel festgelegt: die sprichwörtliche Hackordnung. Im Hühnerstall leben viele Tiere auf relativ engem Raum, Das führt oft dazu, dass Hühner mit ihrem Schnabel andere Tiere verletzen. Diese Verhaltensstörung hat viele Ursachen wie beispielsweise ein eintöniger Stall ohne Beschäftigungsmöglichkeiten oder eine falsche Futterzusammensetzung. Um Verletzungen zu vermeiden, wurde Legehennen früher die Schnabelspitze mit Infrarot-Laser wenige Millimeter gekürzt.
Heute kommen keine Legehennen mehr mit gekürztem Schnabel in den Stall. Dafür sorgt seit 2017 eine Selbstverpflichtung der Geflügelwirtschaft, die aus der Tierwohl-Initiative des BMEL hervorgegangen ist. Stattdessen beugt der Landwirt vor: Die Tiere werden besser betreut und beobachtet, sie erhalten anderes Futter, mehr Platz und die Möglichkeit zur Beschäftigung. So wird Federpicken und Kannibalismus minimiert.

Mehr Tierwohl in die Ställe bringen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hatte Forschungsmittel für Projekte ausgeschrieben, in denen sogenannte Tierwohl-Indikatoren entwickelt werden sollten. Darunter versteht man objektive Kriterien, mit denen das Tierwohl in einem Betrieb oder in Bezug auf ein individuelles Tier beurteilt werden kann. Um die Tiere beurteilen zu können, wurde die Tiergesundheit definiert und das Aussehen der Legehennen in unterschiedlichem Alter dokumentiert. So entstanden Beurteilungskarten, die die Landwirte nun nutzen, um den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden ihrer Tiere überwachen und verbessern zu können.

Um die Erkenntnisse aus der Wissenschaft in die Ställe zu bringen, wurden die Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz ins Leben gerufen. Das BMEL unterstützt mit diesem Programm ausgewählte landwirtschaftliche Betriebe dabei, Erkenntnisse aus der Wissenschaft zur Nutztierhaltung auszuprobieren. Ziel ist es, gute und erfolgreiche Beispiele für mehr Tierwohl im Stall bekannt zu machen und dadurch in die Breite zu tragen, damit alle landwirtschaftlichen Betriebe davon erfahren und die getesteten Maßnahmen ebenso wie die Modellbetriebe umsetzen.

Seit Beginn des Projektes zur Legehennenhaltung ist mehr Wissen in die Ställe gelangt. Landwirte werden intensiv beraten und tauschen sich untereinander über ihre Erfahrungen aus. Durch die Förderung können die Landwirte in einem wirtschaftlich gesicherten Rahmen testen, welche Maßnahmen wirkungsvoll sind. Diese Erkenntnisse müssen über den Kreis der teilnehmenden Landwirte hinaus in die Breite vermittelt werden. Im Rahmen der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz werden derzeit weitere Fördermittel ausgeschrieben, um diese Wissensvermittlung voranzutreiben und die bisher erlangten Erkenntnisse an eine große Anzahl von Landwirten zu verbreiten.

Mobile Hühnerställe: was ist das?

Mobilität bei der Hühnerhaltung ist gut für die Umwelt. Denn mobile Ställe werden immer wieder auf der Weide versetzt, es gibt sie oft im ökologischen Landbau. Die Vorteile sind, dass der Landwirt damit die Weide schützt, außerdem ist die Verschmutzung rund um die Ställe geringer. Ein mobiles Huhn lebt naturnah in kleinen Gruppen und hat frisches Gras um sich, das trägt zur Gesundheit des Huhnes bei. Ein weiterer Vorteil ist, dass Parasiten keinen Platzwechsel mögen. Allerdings kosten die fahrbaren Ställe den Landwirt mehr Zeit – jeden Tag, aber auch wenn er den Wagen versetzt oder die Zäune neu steckt. Deshalb sind diese Eier deutlich teurer. Die Idee des fahrbaren Hühnerstalls ist nicht neu. Früher brachten die Bauern ihre Hühner damit auf die Stoppelfelder zum Aufpicken der ausgefallenen Getreidekörner.

Lesen Sie den Bericht vom Hoftag, auf dem es mobile Hühnerställe zu sehen gab.
> zum Bericht

Am Ei erkennen, wie die Hennen gehalten werden

Das kennen Sie sicher alle: Der Code auf dem Ei zeigt, wo es herkommt. Seit Januar 2004 müssen alle Hühnereier, die in Deutschland verkauft werden, grundsätzlich einen Stempel tragen, den sogenannten "Erzeugercode". Dieser Code besteht laut der Vermarktungsnorm der Europäischen Union (EU) für Eier aus Ziffern und Buchstaben, so zum Beispiel "1-DE-0212341".
Die erste Ziffer gibt an, wie die Henne gehalten wurde: 0 heißt ökologische Haltung, 1 Freilandhaltung, 2 heißt Bodenhaltung und 3 steht für Kleingruppenhaltung. Danach folgt das Länderkürzel, zum Beispiel DE für Deutschland. Anschließend folgt die Betriebsnummer, mit der das Ei bis zum Betrieb und zum Stall zurückzuverfolgen ist.

Lesen Sie mehr im folgenden Beitrag:
Lebensbedingungen von Legehennen – zur Kennzeichnung von Hühnereiern

Das Kükentöten soll beendet werden

Hühner sind Spezialisten, dazu werden sie gezüchtet, entweder in der Zuchtlinie für die Mast oder als Henne zum Eierlegen. Männliche Küken in den Legehennenlinien legen keine Eier und setzen wenig Fleisch an. Weltweit besiegeln diese Eigenschaften in den meisten Brütereien ihr Schicksal: Da sich die Aufzucht der Hähne nicht rechnet, werden sie unmittelbar nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet. Unter dem Begriff "Kükenschreddern" ist diese Praxis in den vergangenen Jahren verstärkt in den Blick der Öffentlichkeit gerückt.

Damit das Kükentöten ein Ende hat, werden Alternativen gesucht. Auf der einen Seite wird die Geschlechtsbestimmung im Ei vorangetrieben, auf der anderen Seite werden Hühner gezüchtet, die sowohl als Legehennen als auch als Masthühner Verwendung finden, das sogenannte Zweinutzungshuhn. Außerdem gibt es Initiativen wie die Bruderhahn-Initiative. Die Brüder herkömmlicher Legehennen werden nicht aussortiert und getötet, sondern ebenfalls aufgezogen.

Lesen Sie mehr im folgenden Beitrag
Alternativen zum Töten männlicher Küken

Die Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei werden in den folgenden Filmen anschaulich erklärt:
Das spektroskopische Verfahren

Das endokrinologische Verfahren

Weitere Informationen

Geflügelhaltung in Deutschland

Kurz und kompakt: Das Pocket "So leben Hühner"

Innenansicht eines Hühnerstalls
Legehennen im Stall, Quelle: BLE
Eine Legehenne wird hochgehalten, damit man den Schnabel sehen kann
Durch viel Beschäftigungsmaterial wird der Schnabel natürlich abgewetzt, Quelle: BLE
MuD-Schild
Betriebe, die an den Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz teilnehmen, hängen dieses Schild an ihren Stall, Quelle: BLE
Längssicht des mobilen Hühnerstalles
Der mobile Hühnerstall, vorne wird gerade eine Klappe geöffnet, darunter sind die Legenester für die Hennen, oben befinden sich die Sitzstangen, auf denen die Hühner schlafen und vom unteren Bereich aus gelangen die Legehennen in den Auslauf, Quelle: BLE
Eier
Der Code auf dem Ei zeigt, aus welcher Haltung die Eier kommen, Quelle: Jan Schuler - adobe.stock.com
Küken
Männliche Küken sollen nicht mehr getötet werden, Quelle: K.-U- Häßler - adobe-stock.com