Bild von einer Kuh
Bullen im Stall

Rinder: Vielseitige Nutztiere fĂŒr Milch und Fleisch

Drei von vier Rindern leben in Deutschland in LaufstĂ€llen. Etwa ein Viertel lebt in Anbindehaltung. Im Sommer wird jedes dritte Rind regelmĂ€ĂŸig nach draußen auf die Weide gelassen.

Das Hausrind zĂ€hlt zu den wirtschaftlich wichtigsten Nutztieren in Deutschland. Hausrinder werden in erster Linie fĂŒr die Milch- und Fleischproduktion gehalten. Im Einzelnen werden Rinder als FĂ€rsen (weibliche Rinder vor dem ersten Kalben), KĂŒhe (weibliche Rinder, die gekalbt haben), KĂ€lber (junge Rinder), Bullen oder Stiere (geschlechtsreife mĂ€nnliche Rinder) und Ochsen (kastrierte mĂ€nnliche Rinder) bezeichnet. Nicht alle Hausrinder sehen gleich aus: Es gibt eine große Vielfalt an alten und neuen Rinderrassen. Dem Auge vertraut sind die schwarz-weiß („Schwarzbunte“, „Holstein-Friesen“) oder braun-weiß gefleckten Tiere („Fleckvieh“) oder die einfarbigen hell- bis dunkelbraunen Tiere („Braunvieh“, „Gelbvieh“).

In Deutschland leben etwa drei von vier Rindern in sogenannten LaufstĂ€llen. Darin können sie sich frei bewegen. Der Boden ist meist perforiert, damit Exkremente nach unten durchgetreten werden können. Ein Laufstall bietet den Tieren frei zugĂ€ngliche FutterplĂ€tze, TrĂ€nken und Liegeboxen. In den meisten Rindermastbetrieben besteht der Boden der StĂ€lle komplett aus Betonspalten. In Milchkuhbetrieben stehen die KĂŒhe oft in BoxenlaufstĂ€llen, in denen jeder Kuh eine zum Beispiel mit Stroh gepolsterte LiegeflĂ€che zur VerfĂŒgung steht. KĂŒhe werden in der Regel zwei Mal am Tag, hĂ€ufig in sogenannten MelkstĂ€nden gemolken.

Stallansicht vom Mittelgang aus mit Rindern zu beiden Seiten
Rinderhaltung im Boxen-Laufstall, Quelle: BLE, Bonn / Foto: Thomas Stephan

Deutschland ist in der EuropĂ€ischen Union (EU) der grĂ¶ĂŸte Milcherzeuger und nach Frankreich der zweitgrĂ¶ĂŸte Erzeuger von Rind- und Kalbfleisch. Deutsche Landwirte erwirtschaften etwa jeden vierten Euro mit Milch und Rindfleisch. Einheimische Milch wird fast vollstĂ€ndig zu Trinkmilch, Butter, Joghurt, KĂ€se und anderen Milchprodukten weiterverarbeitet. Fast die HĂ€lfte dieser Milchprodukte wird exportiert, davon 84 Prozent in EU-LĂ€nder. Wichtige DrittlandmĂ€rkte sind Russland, USA und China.

Bei der Anbindehaltung stehen die Tiere wenn sie im Stall sind, angebunden in Reihen nebeneinander. Etwa jedes fĂŒnfte Rind wird in Deutschland so gehalten. UnabhĂ€ngig davon, wie es im Stall gehalten wird, wird etwas mehr als jedes dritte Rind im Sommer regelmĂ€ĂŸig nach draußen auf die Weide gelassen, im Durchschnitt etwa ein halbes Jahr lang. Rinder sind ausgewiesene Raufutterfresser. Sie fressen gerne Gras, frisch oder siliert (Grassilage) oder getrocknet (Heu). So können sie dazu beitragen, Weiden und Wiesen zu erhalten und zu pflegen.

Damit MilchkĂŒhe ĂŒberhaupt Milch geben, mĂŒssen sie ein Kalb auf die Welt gebracht haben. Deren weiterer Lebensweg ist in der Regel vorbestimmt: Die weiblichen KĂ€lber werden spĂ€ter meist MilchkĂŒhe, die mĂ€nnlichen Mastrinder.
Weibliche Tiere werden mit 18 bis 24 Monaten zum ersten Mal besamt. Nach gut neun Monaten kommt das Kalb zur Welt. Es wird meist von der Mutter getrennt und wird zunĂ€chst in Einzelboxen untergebracht. Teilweise werden KĂ€lber auch im Freien in sogenannten „KĂ€lberiglus“ mit Auslauf gehalten. Die Mutterkuhhaltung gilt als besonders tiergerechte Art der Fleischrindhaltung, bei der die Mutterkuh und ihr Kalb in der Regel sechs bis neun Monate lang zusammenbleiben. Mastrinder leben eineinhalb bis zwei Jahre, bis sie ihr Schlachtgewicht erreicht haben. MilchkĂŒhe werden meist nach viereinhalb Jahren geschlachtet.

Rind steckt seinen Kopf in einen Eimer
Quelle: BLE Bonn / Foto: Dominic Menzler

Die ĂŒberwiegende Zahl der Tiere wird heute in Großbetrieben geschlachtet. Deshalb mĂŒssen Rinder vor der Schlachtung meist lĂ€ngere Wege im Lkw zurĂŒcklegen. FĂŒr den Transport gelten die Regeln der EU-Verordnung ĂŒber den Schutz von Tieren beim Transport und der deutschen Tierschutztransport-Verordnung. Darin sind die Transportzeiten und Ruhepausen geregelt, die Beladedichte, die BelĂŒftung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Lkws und es werden Kriterien festgelegt, wann Tiere transportunfĂ€hig sind und nicht transportiert werden dĂŒrfen. FĂŒr Transporte, die lĂ€nger als acht Stunden dauern, gelten strengere Regeln als fĂŒr kurze Transporte. Alle Personen, die beim Transport sowie der BetĂ€ubung und Schlachtung mitarbeiten, mĂŒssen zudem einen amtlichen Sachkundenachweis besitzen.

Die Tiere mĂŒssen tiergerecht verladen werden. Treibwege, Verladeeinrichtungen und ein ruhiger Umgang mit den Tieren sollen den Stress fĂŒr die Rinder möglichst gering halten. Die Beladedichte ist in der Tierschutztransport-Verordnung vorgegeben. Dort steht, wie viel BodenflĂ€che jedes Tier entsprechend seinem Gewicht beim Transport mindestens haben muss. ZusĂ€tzlich muss es bei Rindern eine Abtrennung in Gruppen von sechs bis acht erwachsenen Tieren geben. In der Praxis heißt das: Tiere unterschiedlicher Mastgruppen, die sich nicht vertragen, werden getrennt voneinander untergebracht. So reisen sie stressfreier. Eine ruhige Fahrweise soll die Belastung der Tiere gering halten.

Quelle: Gerard Koudenburg / Shutterstock.com

Bei langen Transporten hat vor der Abfahrt bereits ein Tierarzt kontrolliert, dass keine verletzten oder kranken Tiere transportiert werden. Nach der Ankunft im Schlachthof wird ein zweites Mal kontrolliert, ob beim Transport Tiere verletzt wurden oder erkrankt sind. Ein Amtstierarzt und amtliche Fachassistenten sind im Schlachtbetrieb anwesend und ĂŒberwachen den Schlachtvorgang einschließlich der anschließenden Fleischuntersuchung.

Quelle: Jenoche / Shutterstock.com

Tierschutzrechtliche Vorschriften zum Schutz von Schlachttieren sind in der Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 und ergĂ€nzend hierzu in der nationalen Tierschutz-Schlachtverordnung festgelegt. Schlachtrinder werden meistens mit einem Bolzenschuss aus einem Schussapparat betĂ€ubt. Das GerĂ€t muss dabei so angesetzt und die GrĂ¶ĂŸe sowie die Auftreffenergie des Bolzens so bemessen sein, dass der Bolzen mit Sicherheit in das Gehirn eindringt. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass die Tiere bis zum Tod das Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen nicht wiedererlangen. Der Tod der Rinder tritt durch das sogenannte „Entbluten“ ein, also durch das Eröffnen der HauptblutgefĂ€ĂŸe.