Bild von einer Kuh

Tierversuche vermeiden, verringern und Leiden reduzieren

Tierversuche dürfen nur durchgeführt werden, wenn es keine Alternativen zu ihnen gibt. Aber nicht für alle erforderlichen Prüfungen oder wissenschaftlichen Fragestellungen sind Alternativen vorhanden. Deshalb müssen weitere Ersatzmethoden entwickelt werden. Solange noch Tierversuche durchgeführt werden, muss außerdem darauf hingearbeitet werden, die Belastung der Tiere zu reduzieren, zum Beispiel durch die Entwicklung von Verfahren zur Schmerzbehandlung.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt die Forschung dabei, Alternativen zu Tierversuchen und zur Belastungsreduzierung zu entwickeln. Und obwohl an der Entwicklung von Alternativmethoden zu Tierversuchen mit Unterstützung der Bundesregierung verstärkt geforscht wird, kann nach dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf Versuche am Tier noch nicht verzichtet werden.

Suche nach neuen Ideen: Tierschutzforschungspreis

Um die Forschung weiter anzuregen, nach Möglichkeiten zur Einschränkung oder zum Ersatz dieser Tierversuche zu suchen, schreibt das BMEL einen Forschungspreis aus: den Tierschutzforschungspreis. Dieser Preis ist mit bis zu 25.000 Euro dotiert. Insbesondere Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sind jedes Jahr aufgefordert, sich zu bewerben.

Das BMEL hat nun den 38. Tierschutzforschungspreis ausgeschrieben. Gesucht werden wieder Forschungsarbeiten, die dazu beitragen, Tierversuche zu ersetzen oder ihre Anzahl zu verringern.

Der Preis wird für innovative, zukunftsweisende wissenschaftliche Arbeiten ausgeschrieben, die einen Beitrag zur Entwicklung von Methoden und Verfahren leisten, durch die Tierversuche ersetzt oder eingeschränkt werden können (Replacement und Reduction). Entsprechend dem 3RPrinzip können nachrangig auch Methoden für die Verbesserung der Haltebedingungen von Versuchstieren oder für die Verminderung von Schmerzen, Leiden oder Schäden im Versuch (Refinement) ausgezeichnet werden. In den Arbeiten soll auch auf den biologischen Aussagewert der Ergebnisse für den Menschen eingegangen werden.

Was wurde 2018 ausgezeichnet?

Der Preis im Jahr 2018 wurde an ein Team des Max-Planck-Institutes für Biophysikalische Chemie, Herrn Prof. Dr. Dirk Görlich und Herrn Dr. Tino Pleiner, für die "Entwicklung der sogenannten Nanobody-Technologie zur Herstellung von speziellen Antikörpern ("Nanobodies") und deren Produktion in Bakterien" verliehen.

Im Vordergrund der betreffenden Arbeit stehen die sogenannten Sekundärantikörper. Es handelt sich hier um vielfältig eingesetzte Werkzeuge in der biomedizinischen Forschung. Aber sie kommen auch in der Diagnostik, wie beispielsweise im Rahmen der Blutgruppenbestimmung oder in Schwangerschaftstests, zur Anwendung. Bisher werden diese Sekundärantikörper durch einen belastenden Eingriff an Tieren gewonnen. Dabei kommen insbesondere Ziegen, Schafe oder Esel zum Einsatz. Herr Prof. Görlich und Herr Dr. Pleiner haben nun einen Weg gefunden, um diese Antikörper in großen Mengen durch Bakterien herstellen zu lassen und auf den Einsatz von Versuchstieren weitestgehend verzichten zu können.

Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren

Die "Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch" (ZEBET) wurde zum "Deutschen Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R)" ausgebaut.

Das Bf3R arbeitet intensiv daran, Alternativen zum Tierversuch zu erforschen und zu entwickeln sowie Behörden und Forscher über vorhandene Alternativmethoden zu informieren. Außerdem pflegt das Zentrum eine Datenbank zur Veröffentlichung von Informationen zu Tierversuchen. Mit Hilfe dieser Datenbank soll die Öffentlichkeit über durchgeführte Tierversuche in Deutschland informiert werden.

Das Zentrum soll die Aktivitäten in der Ersatzmethodenforschung sowie in der Beratung von Behörden und Forschern in Deutschland intensivieren. Es wirkt mit bei der Koordinierung der Fördermaßnahmen und Aktivitäten der Bundesregierung mit dem Ziel, Tierversuche auf das unerlässliche Maß zu beschränken und Versuchstieren den bestmöglichen Schutz zu gewährleisten. Darüber hinaus soll der Dialog mit den verschiedenen Interessengruppen zu den wissenschaftlichen und ethischen Herausforderungen beim Schutz von Versuchstieren verstärkt geführt werden.

Weitere Informationen

Forschung für mehr Tierwohl - Informationen des BMEL

Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R)

Wissenschaftlerin im Labor
Es wird geforscht, um Alternativen zu Tierversuchen und zur Belastungsreduzierung zu entwickeln, Quelle: Darren Baker - stock.adobe.com